Kann man aus der Geschichte lernen? Eine Replik aus aktuellem Anlass

Willy Brandts Kniefall

Der Beitrag von Fred Gröger vermittelt den Eindruck, als ob die Ideologie, die zur Entstehung des Hamburger „Kriegerdenkmals“ von 1936 führte, auch heute noch den politischen Diskurs der Bundesrepublik bestimmen würde. Die hitzigen Debatten über die deutsche Vergangenheit, die in den letzten Jahrzehnten hier stattfanden, werden in dieser Kolumne gänzlich außer Acht gelassen. Das Gleiche betrifft auch solche symbolischen Gesten wie den Kniefall Willy Brandts vor dem Denkmal für die Helden des Warschauer Ghettoaufstandes im Dezember 1970. Obwohl dieser symbolische Akt in der damaligen Bundesrepublik sehr umstritten war,  den Völkern des europäischen Ostens, die unter der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft am stärksten gelitten hatten, vermittelte er ein vollkommen neues Bild von Deutschland – eines Landes, das aus den Fehlern der Vergangenheit entsprechende Lehren gezogen hatte.

Die im Sommer 1980 in Polen ausgebrochene Revolution der „Solidarność“ war untrennbar mit diesem Paradigmenwechsel verbunden. Die Auflehnung der polnischen Gesellschaft sowohl gegen das Warschauer Regime als auch gegen seine Moskauer Gönner konnte nicht zuletzt deshalb eine für den gesamten Ostblock beispiellose Dimension erreichen, weil das Regime jetzt nicht mehr imstande war, die eigene Gesellschaft mit dem Heraufbeschwören der deutschen Gefahr zu disziplinieren.

All diese Vorgänge werden im Beitrag von Fred Gröger ausgeblendet.

„Bonn und Berlin sind nicht Weimar“

Kann man also aus der Geschichte lernen? Diejenigen, die diese Frage verneinen, stellen im Grunde die Staatsräson der Bundesrepublik in Frage. Denn das Prinzip der „wehrhaften Demokratie“, auf dem die „zweite“ deutsche Demokratie basiert, ist untrennbar mit den geschichtlichen Lehren verbunden, die aus dem Scheitern der „ersten“ Demokratie (Weimar) gezogen wurden. Artikel 1, Absatz 1 des Grundgesetzes, in dem von der unantastbaren Würde des Menschen die Rede ist, stellt seinerseits die Antwort der Urheber des Grundgesetzes auf die beispiellose Missachtung dieser Würde in der NS-Zeit dar. All das zeigt, dass die Weisheit von der Geschichte als der „Lehrmeisterin des Lebens“ keineswegs veraltet ist.

Es ist paradox, dass ausgerechnet nach der größten Katastrophe der deutschen Geschichte, die stabilste Demokratie in der Geschichte des Landes entstehen konnte. Beide Vorgänge waren allerdings eng miteinander verknüpft. So konnte nach 1945, angesichts der totalen Niederlage des Dritten Reiches, keine Legende von der „im Felde unbesiegten Nation“ entstehen, die die politische Kultur von Weimar derart stark vergiftet hatte. Auch die Dolchstoßlegende erlebte nach 1945 keine Neuauflage, denn oppositionelle Gruppierungen, denen man 1918 Verrat an der Heimatfront vorgeworfen hatte, waren im Dritten Reich bereits während der Gleichschaltung von 1933 völlig zerstört worden. So hatte die NS-Führung bis zum letzte Atemzug des Regimes die totale Kontrolle über das Land. Den Gegnern des Nationalsozialismus ist es nicht gelungen, breitere Bevölkerungsschichten zu erfassen. Der Bochumer Historiker Hans Mommsen spricht sogar vom „Widerstand ohne Volk“. Und schließlich hat auch die Kriegsschuldfrage nach 1945 keine vergleichbaren Kontroversen wie nach dem Ersten Weltkrieg hervorgerufen. Der Berliner Historiker Heinrich August Winkler schreibt dazu:

Zu offenkundig war, dass der Mann an der Spitze des Reiches den Zweiten Weltkrieg entfesselt hatte und die Hauptverantwortung für seine Ergebnisse trug. Kriegsunschuld- und Dolchstoßlegenden hatten nach 1945, anders als nach 1918, keine Aussicht, den Beifall der Massen zu finden.

So konnte sich die Bundesrepublik, anders als die Weimarer Republik, ohne den Ballast der Mythen entfalten, die seinerzeit die Zerstörung der „ersten“ deutschen Demokratie mitverursacht hatten.

Aber auch die Politik der westlichen Siegermächte trug erheblich zur Stabilität der „zweiten“ deutschen Demokratie bei. Denn statt Reparationen vom besiegten Deutschland zu verlangen, versuchten sie durch die CARE-Pakete die Hungersnot im Lande zu lindern und mit Hilfe des Marshall-Plans die zerrüttete deutsche Wirtschaft zu sanieren.

Freilich kam hier der immer schärfer werdende Kalte Krieg  den Westdeutschen zugute, denn die Einbindung  des wirtschaftlichen, politischen und später auch  militärischen Potentials  Westdeutschlands in den von den USA  dominierten demokratischen Block stellte die unabdingbare Voraussetzung  für die Bewahrung  des Kräfteverhältnisses im Ost-West-Konflikt dar. Daher auch die  recht milde Behandlung  der Besiegten durch die westlichen Sieger.

Nun aber zurück zum Beitrag von Fred Gröger. Wenn der Autor in seiner Kolumne schreibt: „Ab 1939 lässt sich nicht mehr die Funktion der Wehrmacht … abstreiten, in jedes besetzte Land die Verbrechen der Nationalsozialisten zu bringen“, rennt er offene Türen ein. Denn in der heutigen deutschen Geschichtsschreibung werden, anders als dies noch in den 1950er Jahren der Fall gewesen war, all diese Verbrechen minutiös und anschaulich beschrieben und analysiert. Der Münchner Militärhistoriker Johannes Hürter sagt in diesem Zusammenhang:

 Heute ist von den Legenden von der ´sauberen Wehrmacht´ und ihrer hoch professionellen, zwar politisch naiven, doch moralisch integren Generalität wenig übrig geblieben.

Historiker, die die Verstrickung der Wehrmacht in die Verbrechen des NS-Regimes in Frage stellen, vertreten in der heutigen Geschichtsschreibung eher Außenseiterpositionen.

Zwar enthielt und enthält die deutsche Vergangenheitsdebatte seit der „Stunde Null“  auch viele Schattenseiten (Verdrängungsmechanismen, Schlussstrich-Forderungen usw.). Dennoch dominieren im öffentlichen Diskurs der Gegenwart, vor allem in der Historikerzunft, ganz andere Tendenzen. Dies lässt Fred Gröger in seiner Kolumne außer Acht.

12 comments
Fred Groeger

Nette Kolumne. Hat bloß relativ wenig mit meiner Kolumne zu tun, Herr Luks.

Der Schluss, dass wir nicht auf der Hut vor deutschen Nationalismus sein müssen, sehe angesichts einer nationalistischen Partei mit völkisch-rassistischem Personal auch etwas trügerisch.

Warten Sie die Landtagswahl in Sachsen ab.

    Rainer Seifert

    Und wieder nur die alte verlogene Leier. Woher kommen denn nun so plötzlich die angeblichen vielen Nazis, wo doch die NPD nur ausnahmsweise – und dann auch noch mit den Stimmen der Protestwähler – in einzelne Landesparlamente einziehen konnte? Sehr viel AfD Funktionäre und gewöhnliche Parteimitglieder sind von den Altparteien übergewechselt, weil sie es dort nicht mehr aushielten mit der Verlogenheit und Schönfärberei. Schlimm, dass es da so viele angebliche Nazis in deren Reihen gab. Wer hätte das früher gedacht?

    Wer natürlich hinter jeden anderen Auffassung als der eigenen stark linken einen Nazi sieht, der denkt keineswegs demokratisch, sondern eher so beschränkt, wie die früheren und verbliebenen SED Bonzen mit den Betonköpfen.

    Dagegen könnte helfen, Reden im Deutschen Bundestag von Abgeordneten der AfD anzuhören, und diese trotz des teils affenartigen Geschreis aus Richtung von drei Linkenfraktionen auch noch zu kapieren.

    Dass nun nicht ein jeder, der den tollen Gedanken einer von Brüssel undemokratisch gesteuerten EU ablehnt, nationalistisch eingestellt oder gar ein Nazi ist, werden gewisse linke Hohlköpfe ohnehin frühestens begreifen, wenn das ganze schöne Kartenhaus voller Lügen zusammengebrochen ist. Die Uhr dafür tickt immer lauter.

    Ein Säufer an der Spitze – demnächst wird die EZB vermutlich abermals widerrechtlich marode Banken retten, die Vernichtung von Milliarden Euros auf den Sparkonten reicht ja noch längst nicht aus. Macrons langer Marsch mit europäischem Finanzminister und somit einer Vergemeinschaftung französischer Staatsschulden und einer EU Armee. Der dumme Michel bezahlt dies alles und noch viel mehr voller Zuversicht und Freude. Das ist nicht mein Europa. Da halte ich es mit General und Staatspräsident de Gaulle, der für ein Europa der Vaterländer plädierte. Alles andere ist aufgrund großer kultureller und sprachlicher Unterschiede ein Hirngespinst, aber leider ein verdammt teures für Deutschland.

    Wie wurden wir damals belogen? Frage: Muss ein EU Land für die Schulden eines anderen eintreten? Antwort: Auf keinen Fall. Nach dem ersten Griechenland-Rettungsfonds wird es garantiert keinen zweiten geben. Was nun, Herr Schäuble?

Mighty Quinn

Aus der Historie kann gelernt werden, dass Sozialisten aus der Historie nix lernen. Beweis; die Menge der Sozialisten ist für 1933 und 2018 gleich groß.

Einzig das Verhältnis von Sozialisten zu Demokraten, ist für 1933 zu 2018 umgekehrt proportional. Gab es 1933 mehr Sozialisten als Demokraten, gibt ’s in 2019 mehr Demokraten als Sozialisten.

Rainer Seifert

Was die Politik der westlichen Siegermächte betraf, so gab es da durchaus auch Unterschiede. Kürzlich lief im Fernsehprogramm des SWR ein sehr interessanter Bericht über die Geschichte deutscher Eisenbahnen. Aus diesem ging hervor, dass die Franzosen so ziemlich alles, auch was niet- und nagelfest war wie die Schienen, und irgendwie mit der Bahn zu tun hatte 1945 als Reparation von Deutschland forderten und auch erhielten. Vermutlich beschränkte sich dies nicht allein auf die Bahn. Von den Sowjets wissen wir ohnehin, das die Ostzone regelrecht ausgeplündert wurde.

Dagegen merkten die USA sehr schnell, dass sie den sowjetischen Kommunisten wohl doch ein wenig zu voreilig den Weg nach Mitteleuropa geebnet hatten und waren schnell auf die Einbeziehung Westdeutschlands in ihre Strategie aus.

Wie sagte der extrem langjährige Präsidentenberater Brzesinski doch noch? „Wir haben Deutschland nicht besiegt um es zu befreien, sondern um es für uns nützlich zu machen“.

Haben die USA jemals anders gehandelt, ohne an den eigenen Vorteil zu denken?

Was Verbrechen der Wehrmacht betrifft, sind diese wohl eher im Osten vorgekommen als in den besetzten Teilen Westeuropas. Aber auch hier gab es gravierende Unterschiede. Die Soldaten verdienen es nicht, alle über einen Kamm geschert zu werden, auch wenn Differenzierung dem Anschein nach voll aus der Mode gekommen ist. Auf dem Rückzug wurde im Osten oft verbrannte Erde hinterlassen, aber dies soll auch von Rotarmisten in deutschen Uniformen geschehen sein, um den Hass gegen Deutschland zu verstärken. Niemand von uns war dabei, ob derartige Berichte stimmen wissen wir also nicht. Es wurde auch berichtet, dass deutsche Verpflegungslager zum Schluss absichtlich unversehrt in die Hände der Roten Armee fielen, da die Rotarmisten dann eine Weile zugedröhnt nicht mehr vorankamen.

Mein Vater war gerade mitten in seiner Lehre, als er 1938 einberufen wurde. Als diese fast beendet war, erfolgte der Angriff auf Polen. Somit durfte er gleich dabei bleiben. Freude sah anders aus. Beim Bodenpersonal der Luftwaffe war er jedenfalls weder im Osten noch im Westen an irgendwelchen Gräueltaten beteiligt. Er hat nie über seine Erlebnisse geredet, aber er hasste den Krieg und sagte, im nächsten würde er gleich desertieren. Ein Nazi war er somit wohl eher nicht.

Mein Dienstvorgesetzter erzählte mir von einem Erlebnis, dass er als blutjunger Unteroffiziersanwärter in der SU hatte. Er war bei einer Babuschka einquartiert und es war lausig kalt. Also holte er eigenmächtig ein paar Holzscheite von ihrem Vorrat und gönnte sich ein paar Grad mehr Wärme. Die Frau machte ein Reisengeschrei und beschwerte sich beim Kompaniechef. Dieser nahm in sich vor und sagte, beim nächsten mal käme er vor ein Kriegsgericht. Wenn dieser Holzklau aus der Not und Kälte heraus ein Kriegsverbrechen war, dann war es halt so.

Zur Wahrheit gehört übrigens auch, dass deutsche Soldaten in der Sowjetunion teilweise durchaus freundlich und als Befreier empfangen wurden. Hierzu existieren zahlreiche Fotos. Vom Kommunismus und Stalins Terror hatte ein großer Teil der Menschen dort nämlich schon damals die Schnauze gestrichen voll.

Ähnlich wie bei den nachrückenden Sowjettruppen der zweiten Reihe in Deutschland kamen dann allerdings mit Himmlers Mörderbanden die Verbrecher, die alles gegenseitige Auskommen zunichte machten und die Grundlage für die Partisanenbewegung schufen.

Verbrechen und Gräueltaten gab es zu jeder Zeit bei jeder Armee der Welt. Damit sollen nun weder deutsche noch allierte Kriegsverbrechen beschönigt werden. Auch die gezielten Angriffe auf deutsche Städte, so wie die Zertrümmerung von Stauseemauern (Plan des Mister Wallis) dienten allein der Vernichtung und Mürbemachung von Zivilisten und war total entgegen der Haager Konvention. Selbst die Terrorangriffe des britischen Luftmarschalls Harris waren im Vereinigten Königreich nicht unumstritten.

Heutige linksgrüne Vollidiot/inn/en, die sich mehr davon gewünscht hätten, sind höchstwahrscheinlich im Kopf zu beschränkt, sich vorstellen zu können, wie einer Mutter zumute sein muss, kurz bevor sie mit ihren Kindern unter Trümmern zerquetscht wird, oder im Feuerorkan, wie besonders in Hamburg und Dresden geschehen, atomisiert über die Dächer gen Himmel fliegt. Manche Leute sind tatsächlich einige Jahre zu spät irgendwie auf diese Welt gekommen.

Diesen ganzen heutigen Generalangriffen und unterschiedslosen Schmutzkampagnen generell gegen die Wehrmacht stelle ich zum wiederholten mal die Worte eines ehemaligen Emigranten vor den Nazis und späteren Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschlands gegenüber.

Zitat: „Cornelius Ryan verdient besondere Anerkennung dafür, dass er dem anständigen deutschen Soldaten Gerechtigkeit widerfahren lässt. Und vor allem auch dafür, dass er das tödlich bedrohte Leben von Berlinern so klar und bewegend eingefangen hat.“

Vorwort zum Buch „Der letzte Kampf“ (Schlacht um Berlin) von Willy Brandt

Wer mich hier nun wieder als Nazi beschimpft, der mag es ruhig tun. Solchen Zeitgenossen kann auch kein Arzt mehr helfen. Die Pillen gegen Dummheit sind leider noch nicht erfunden.

Ronald Schubert

Man könnte und sollte aus der Geschichte lernen, aber man macht es nicht, denn deutsche Soldaten sind so viele im Ausland in Kriegen, wie seit dem Weltkrieg nicht mehr!

Fred Groeger

@Leonid Luks, ich finde das auch recht lustig, wenn Sie behaupten, ich würde etwas außer Acht lassen, obwohl das gar nicht das Thema meiner Kolumne war.

Das Zitat, das Sie aus meinem Text verwenden

[“ Heute ist von den Legenden von der ´sauberen Wehrmacht´ und ihrer hoch professionellen, zwar politisch naiven, doch moralisch integren Generalität wenig übrig geblieben.“]

und Ihr

[„Historiker, die die Verstrickung der Wehrmacht in die Verbrechen des NS-Regimes in Frage stellen, vertreten in der heutigen Geschichtsschreibung eher Außenseiterpositionen.

Zwar enthielt und enthält die deutsche Vergangenheitsdebatte seit der „Stunde Null“ auch viele Schattenseiten (Verdrängungsmechanismen, Schlussstrich-Forderungen usw.). Dennoch dominieren im öffentlichen Diskurs der Gegenwart, vor allem in der Historikerzunft, ganz andere Tendenzen. Dies lässt Fred Gröger in seiner Kolumne außer Acht.“]

Widersprechen sich überhaupt nicht.

Ich musste aber in meiner Kolumne nichts thematisieren was überhaupt nicht Thema meiner Kolumne war. Eine Ehrenrettung um die „deutsche Volksseele“ zu besänftigen war nicht das Thema meiner Kolumne.

Ich muss Ihnen da schon eine gewisse Schlampigkeit und Hinterhältigkeit vorwerfen.

Fred Groeger

Nächster Punkt @Leonid Luks:

Sollte ich Ihnen jetzt vorwerfen, dass Sie sich an Willy Brandt von der SPD abarbeiten, aber die zeitgleichen Standpunkte der anderen großen „Volkspartei“ CDU betreffs der Annerkennung der „Oder-Neiße-Linie“ und den Lobbyismus der Vertriebenenverbände „außer Acht“ lassen?

    Leonid Luks

    Sehr geehrter Herr Gröger,

    Ihre Kolumne war aus meiner Sicht in erster Linie der Dekonstruktion der kriegsverherrlichenden Ideologie, die zur Entstehung des Hamburger „Kriegerdenkmals“ von 1936 geführt hatte, gewidmet. Deshalb war es für mich nicht nachvollziehbar, dass Sie viele hitzige Vergangenheitsdebatten der letzten Jahrzehnte, die wesentlich zur Dekonstruktion dieser Ideologie beigetragen hatten, nicht erwähnten. Ähnliches betrifft auch die Legende von der „sauberen Wehrmacht“. Sie schreiben: „Es gibt keine Möglichkeit, sich die Ziele der deutschen Kriegsführung schönzureden… Legenden von einer sauberen Wehrmacht und Verherrlichung des militärischen Widerstandes gegen die Nazis sind da nicht hilfreich…“. Es wäre in diesem Zusammenhang wichtig zu erwähnen, dass diese Legenden von vielen Historikern der Bundesrepublik bereits längst demontiert worden sind. Es genügt nur ein Blick auf zahlreiche Abhandlungen des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes oder des Münchner Instituts für Zeitgeschichte.
    Was den Warschauer Kniefall von Willy Brandt anbetrifft, so habe ich in meiner Kolumne erwähnt, dass diese symbolische Geste in der damaligen Bundesrepublik sehr umstritten war. Dessen ungeachtet trug dieser symbolische Akt wie auch die gesamte neue Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition erheblich zur Veränderung des polnischen Deutschlandbildes und zum Abbau der polnischen Ängste vor dem deutschen Revanchismus und Militarismus bei. All das sollte sowohl während der Solidarnosc-Revolution von 1980 als auch während des deutschen Einigungsprozesses von 1989/90 eine nicht unwichtige Rolle spielen. Leonid Luks

      Fred Groeger

      @Leonid Luks, das ist aber eben Unsinn.

      Wenn Sie behaupten ihre Kolumne wäre eine „Replik“ sie aber in Wirklichkeit nur dieses und jenes hinzuschreiben wollen, dann veralbern Sie die Leser oder wissen wirklich nicht so genau was Sie da machen.

      Für meine Kolumne war es NICHT WICHTIG zu schreiben, wer so alles die Legende von der sauberen Wehrmacht widerlegt hat, weil es thematisch in meiner Kolumne um die Herkunft von „Deutschland verrecke“ als Ausspruch ging.

      Das erscheint mir jetzt etwas dilettantisch, was Sie hier veranstalten.

      Und wenn Sie eben behaupten, ich dürfe „Dies lässt Fred Gröger in seiner Kolumne außer Acht.“

      dann könnte ich eben auch fordern, dass Sie genau und exakt schildern, wie und wer außer Brandt sonstige politische Fraktionen und Parteien der Bundesrepublik damals zu Polen standen.

      Wie eben die CDU und CSU unter Einfluss der Vertriebenenlobby, die immer noch merkwürdige Dinge im „Programm“ hatte.

      Herr Professor, wäre das eine „Replik“ wenn ich alles was Sie aus thematischen oder inhaltlichen Gründen nicht erwähnten nachfordere und dann schreibe:

      „Dies alles lässt Leonid Luks außer Acht“?

Karl-Ernst Reichel

Sehr geehrter Herr Luks, sehr geehrter Herr Groeger,

ich habe diese Kolumne und ihre Kommentare gelesen und muss voranstellen, dass ich lange nicht tief in dem Thema verankert und gebildet bin. Mein Kommentar basiert auf Halbwissen und Gefühlen. Wissenschaftlich diskutieren werden Sie mit mir also nicht können.
Dennoch würde ich hier gerne meine persönliche Meinung hinterlassen, da ich die Sache eventuell aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.

Natürlich habe auch ich die Geschichte gepaukt und mich intensiv mit dieser Zeit beschäftigt, hauptsächlich durch geschichtliche Romane, ernstzunehmende Dokumentar- und Spielfilme und auch eigener Recherche.

Seit gestern beschäftigt mich die Frage, ob die Menschheit – und dies sei betont – aus der Geschichte lernen kann. Im Bezug auf die Menschheit würde ich dem absolut zustimmen.
Insbesondere Fehler bei der Lenkung und Kontrolle von Völkern, Gesellschaften, die frühere Regime machten, trugen und tragen noch zu einer Optimierung der angewandten Methoden bei und auch zu einer enormen Motivation, der Schwarmintelligenz der Menschheit einen Schritt voraus zu sein.
Allein die Waffentechnologie würde einen dritten Weltkrieg mit wesentlich mehr mitmischenden global players eventuell verhehrend enden lassen.

Dass jedoch bei den Aliierten nicht nur die pure Herzensgüte arbeitete, dass Deutschland als Verursacher des zweiten Weltkrieges „geplündert“ und „unterworfen“ wurde, ist ebenfalls meine Überzeugung. Ich habe mir um diese Frage herum einst selbst die Frage gestellt, wie ich in der Position eines Staatsoberhaupts agieren würde. Intelligent wäre, die Schuld eines Landes und seines Volkes und seine nach dem Krieg volks-/wirtschaftliche und strukturelle Schwäche zu nutzen, um sich einen Vorteil zu erarbeiten.
Ausnehmen konnte man Deutschland in diesem Fall sicher nicht, denn immerhin stellte das Land immernoch das berüchtigten „Bollwerk“ gegen die Sowjets dar. Eine Art Puffer, eine Knautschzone. Also Deutschland unterwerfen, schwächen, abhängig machen? Nein. Aber kontrollieren, ja überwachen, beeinflussen.

Die „Wahrheit“ lässt sich für uns nur aus Daten, Zitaten, Dokumenten und der Zeitgeschichte ablesen. Und so werden wir der Wahrheit letzter Schluss nie erfahren.

„Die Schlauen diskutieren, die Besserwisser streiten sich. Ich weiß es nicht. Es ist mir auch egal.“ – Reinhard Mey

Ich denke, dass es jedermanns eigene Entscheidung ist, aus der Geschichte zu lernen. So wird es immer die geben, die lernen und darauf hinweisen werden, dass wir auf einen bereits erfahrenen Fehler zusteuern. Es wird jedoch auch immer die Mehrheit geben, die in eine Zeit geboren wird, die sich von dem Schrecken und einer konzentriert unmenschlichen Vergangenheit gedanklich, seelisch, psychisch, wissenstechnisch entfernt hat.

Fazit: Die Geschichte wird sich wiederholen. Wir mögen in einem sehr aufgeklärten Zeitalter leben, doch Kulturen, die Ähnliches leisteten sind vor tausenden Jahren untergegangen.

Mal ehrlich… der Mensch hat doch auch immer die gleichen Probleme: Gier, Neid, Hass, Eifersucht, Angst. Wieso sollte sich die Geschichte der Menschen also groß abwechseln?

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