Frau Lambrecht, Sie wissen nicht, was Sie reden

Im Französischen gibt es den eigenwilligen Ausdruck, „une porte condamnée“. Wörtlich übersetzt : eine verurteilte Tür. Gemeint ist eine Tür, die unpassierbar ist, blockiert. So ein vernageltes Tor hängt auch bei mir, hängt vor jeder Herzkammer, die an meinem Geburtstag verbarrikadiert wurde. Auf ewig. Keine Roßkur, auch keine Schreibkunst wird sie aufbrechen. Auch nicht der Mensch, der bereit wäre, mich zu lieben, schaffte sie – die Tür eben dieses Wissens der Wertlosigkeit – aus der Welt. Denn ich und jeder andere mit einer ähnlich vernichtenden Erfahrung, würde die Liebe nicht zulassen. Riecht sie doch nach Unheil, nach Todesangst. Sie ist nicht Liebe, sie ist der Tod. Sich der Liebe ausliefern als Liebender oder als Geliebter hieße, ins offene Messer rennen. Deshalb die Tür. All diejenigen, die bedenkenlos und unverbrüchlich geliebt wurden, nennen unsereins einen Feigling. Sie wissen nicht, was Sie reden.

Andres Altmann, „Das Scheißleben meines Vater, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ (2011)

§ 219a bei Anne Will

In der Anne Will-Sendung vom 3. Februar diskutierten Franziska Giffey (SPD), Sabine Leutheuser-Schnarrenberger (FDP), Christina Hänel, Ärztin, Theresa Bücker, Chefredakteurin des feministisches Magazins „Edition F“ und als einziger Mann der Politikerdarsteller Phillip Amthor (CDU) über die „Nichtabschaffung des Paragraphen 219a“, der die Werbung für Schwangerschaftsabbrüche, so nennen es die „Lebensschützer“, unter Strafe stellt. Nebenbei gesagt, ein Paragraph, der den völkischen Zuchtwahn der Nazis schon 1933 im Gesetzbuch implementierte.

Die Ärztin Christina Hänel, die auf ihrer Praxiswebseite bloß darauf hinwies, daß sie Abbrüche vornehme, wurde von fanatischen Abtreibungsgegnern bereits mehrfach aufgrund des Paragraphen 219a verklagt und sogar verurteilt. Sie ging an die Öffentlichkeit, was zu einer erneuten politischen Diskussion des Paragraphen führte, die aber realiter keine Veränderung bewirkte, schon gar keine Streichung.
Im Grunde versuchen die Lebensschützer die seit bald 50 Jahren andauernde Diskussion um den Hauptparagraphen 218 am Kochen zu halten. Sie kommen mit den immer gleichen Argumenten angekrochen, um ihren Hoheitsanspruch auf die Körper und das Selbstbestimmungsrecht der Frauen zu behaupten. Es handelt sich dabei um gebetsmühlenartig vorgetragene Versatzstücke eines Schattenkampfes für die Zygote.

Um nicht gar zu reaktionär zu wirken als einziger Mann in der Frauentalkrunde, konnte sich Philipp Amthor immerhin zu einem sowohl als auch durchringen und outete sich sowohl als Gegner der Abtreibung, aber auch als Befürworter des Zugangs der Frauen zu kompetenter medizinischer Versorgung und Aufklärung über den Eingriff.

Da Männer und männerfolgsame Frauen ihre Projektionen zur Fortpflanzung und deren Unterlassung nicht aufgeben wollen und immer weiter mit Gedanken, Werken und Worten in den Unterleibern der Frauen herumwühlen, suchen sie permanent und penetrant nach Mitteln und Wegen ihre Vorstellungen allen aufzudrücken. Neuerdings kommt aus dem Hause Spahn die Nachricht, daß schon wieder eine Studie erstellt werden soll über die längst widerlegten depressiven Langzeitfolgen der Abtreibung für die Frauen. – Zu vermuten steht, daß es eher die Männer sind, die an solchen Langzeitfolgen ihrer gekränkten Männlichkeit leiden.

Programmbeschwerde von Lebensschützern

Nun interessiert mich das müßige TV-Geplänkel überhaupt nicht, sondern eine Reaktion darauf, die die Verlogenheit der Frömmler entlarvt.

Die bayrische Landesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“, Christiane Lambrecht (CDL), hat sich so über die Anne-Willsendung empört, die ja nun wirklich nicht ein Gran Neues bot, wie der Grabenkrieg vor Verdun, daß sie eine Programmbeschwerde bei der ARD eineichte.

Darin, ich kann es nicht anders bezeichnen, und nein, ich bin auch nicht mehr freundlich, findet sich das übliche Salbadern der patriarchalen Lebensschützer, die ständig vom „ungeborenen“ Leben schwätzen, die aber das geborene nicht einen Deut interessiert.

Ein Aspekt ist allerdings neu – ein Aspekt, den Frau Lambrecht auf böswillige Weise verdreht und mit dem sie ihren Lebensschutzfanatismus entlarvt. Die Ärztin Christina Hänel hatte das Schlußwort in der Sendung und betonte, sie könne Frauen, für die die ungewollte Schwangerschaft Sorge und Not bedeutet, nicht allein lassen. Und dann sagte sie den entscheidenden Satz FÜR das Leben: sie wolle,

…daß Kinder, die auf die Welt kommen, gewollt sind, daß sie geliebt sind! […] Das ist mein Traum!

Die Bösartigkeit der Frau Lambrecht macht daraus in ihrer Programmbeschwerde, daß Abtreibung selbst „ein schöner Traum werde!“ Und sie versteigt sich zu der infamen Pseudoschlußfolgerung: „Nicht geliebte Kinder dürfen [also] mit gutem Gewissen abgetrieben werden!“ – Und wieder gibt sie eine Zygote als Kind aus!

Nebenbei hantiert sie noch mit den Menschenrechten und fuchtelt herum mit der Forderung, Abtreibung dürfe kein Menschenrecht werden!

„Apage spiritu!“

Hier schleudere ich ihr und den Lebensrechtlern mein „apage spiritu“ aus dem Exorzismus-Ritus entgegen; da sie zumeist fanatische Rechts-Katholiken und Evangelikale sind, werden sie sich damit auskennen.

Nur am Rande empört mich Frau Lambrechts Wissens- und Wissenschaftsfeindlichkeit, die sich am deutlichsten zeigt in der Ablehnung der Evolutionsforschung (die längst keine Theorie mehr ist, sondern tausendfach belegte Gewißheit), aber eben auch zeigt im Falle der Abtreibung; denn es wird kein Kind abgetrieben, sondern eine nicht selbsttätig lebende Zygote. Offenbar hängen die Lebensschützer noch immer fest an der patriarchalen Vorstellung, mit der Leuwenhoek als erster aufräumte. Der konnte nämlich mit seinem Mikroskop nachweisen, daß sich im Ejakulat des Mannes keine kleinen Homunculi befanden, die in die Frau zum Ausbrüten eingespritzt werden, wie man bis dahin glaubte – womit dann auch noch die Hierarchie der Geschlechter zunichte war. Wenngleich – es braucht ja noch 250 Jahre bis zum Beginn der Frauenbewegung.

In einem Punkt aber hat Frau Lambrecht Recht: die Abtreibung soll in der Tat ein späteres Kind verhindern. Ein Kind, das nicht gewollt ist – aus welchen Gründen auch immer. Die Gründe dafür sind jeweils andere und individuell; ich habe kein Recht, eine Frau dafür sie zu kritisieren, daß sie keinen Nachwuchs will, ob zu einem bestimmten Zeitpunkt oder überhaupt.

Das nicht-gewollte Kind ist immer ein ungeliebtes!

Ein nicht-gewolltes Kind ist immer ein ungeliebtes, im besten Falle halbgeliebtes, mit Widerwillen geliebtes – NEIN, ich muß es deutlicher sagen: es gibt keine Halbliebe, Liebe mit Widerwillen exerziert. Ein solcher Mensch ist, wird und bleibt nicht angenommen.

Dieses Nicht-Angenommensein ist die größte Hypothek des Lebens. Ein nicht angenommener Mensch wird niemals glücklich werden. Darum hat Schiller Recht, wenn er sagte „Das Leben ist der Güter höchstes nicht!“!

Ein solcher Mensch leidet an seinem Leben; die Psychologie und die Erforschung der Kindheit haben nachgewiesen, daß das Unglücklichwerden im und am Leben, ein früher Auftrag der Eltern ist, an dem diese Kinder und die späteren Erwachsenen mitarbeiten. Darum laufen auch soviele unglückliche und verzweifelte Menschen durchs Leben. Bei vielen schlägt dieses Minderwertigkeitsgefühl, das nie wirklich aufgelöst werden kann, in Aggression um und schadet auch noch anderen. Wir finden diese Menschen überall: da ist der kleine Schulhofbully, der miese Chef, da sind die durch die Bank destruktiven und rachsüchtigen AfDler oder die Ikonen der Unmenschlichkeit wie Hitler, Pol Pot oder Stalin.

Ja – die Legenden, in denen behauptet wird, all diese Leute hätten eine liebevolle Kindheit gehabt, sind von A bis Z erstunken und erlogen – ich verweise hier immer auf die schrecklichen Fallbeispiele, die Alice Miller in ihrem gesamten Werk immer wieder anführt: den Sohn von Moritz Schreber, den schrecklichen Mörder Jürgen Bartsch oder eben auch Adolf Hitler…. Sie alle waren ungeliebte Kinder, die sich für die in sie gepflanzte Wertlosigkeit schadlos hielten an ihren Opfern, die sie entwerteten, wie sie selbst einmal entwertet wurden. Sie alle haben auch ihr ganzes Leben lang gezeigt: die Wunde der Wertlosigkeit, der Ungeliebtheit, heilt niemals und wird zum gefräßigen schwarzen Loch in der Gesellschaft.

Zumeist aber sind diese Ungeliebten ihr eigenes Schlachtfeld oder wüten in ihrer nächsten Umgebung, bei ihren Freunden oder ihrer Familie.

DAS hat Cristina Hänel gemeint, als sie von ihrem Traum sprach: daß nämlich nur gewollte Kinder geboren würden! Das würde nicht bloß für den einzelnen Menschen von Vorteil, sondern vor allem für die gesamte Gesellschaft.

Lügenmärchen von der Liebe

Frau Lambrecht und die Lebensschützer haben ihrer Frömmelei nur Lügenmärchen von der Liebe zu bieten und Vorwürfe an die prospektiven Mütter, denen sie ein schlechtes Gewissen machen, wenn sie kein Kind bekommen wollen, wenn sie „dieses“ Kind nicht bekommen wollen – die Väter bleiben bei ihnen sowieso draußen.

Mütterliche/väterliche/elterliche Liebe kann man nicht erzwingen, weder durch Gesetze oder durch naive Gebote wie „Liebet Euren Nächsten!“ – denn Eltern sind immer ein Produkt der Umwelt, die mit solchen Schandmärchen von der Mutterliebe die Menschen in Bedrängnis bringt.

Die fanatische Lebensschützerin Birgit Kelle nannte genau in solcher Manier ihr letztes Buch „Muttertier“ und beschwor damit das schauerhafte Bild der „Mutter dentata“, der Mutter, die dem Kind kein Leben läßt, die sich nur übers Kind definiert. Vor allem setzte sie die Begriffe Mutter und Liebe in Eins.

Diese Hypothek aus Kitsch, Frömmelei und Zwang bedrückt aber nicht nur die Kinder, sondern zuerst die potenziellen Mütter. Darum ziehe ich vor jeder Frau, die sagt, sie verweigere sich diesem giftigen Ideal, meinen Hut. Die Frauen aus der Generation meiner Großmutter und Mutter sind oft genug daran kaputtgegangen. Kaputtgegangen an den Zwangslebensvorschriften, die den Lebensschützern im Kopfe herumspuken. Und ich fürchte, es geht auch heute noch vielen Frauen so, denn das Leid, das daraus hervorgeht, setzt sich als Tradition über Generationen fort!

Traditionslinien der Lebens-und Liebeslügen

Meine Großmutter wurde 1926 ungewollt und unverheiratet im erzkatholischen Paderborn schwanger. Um „die Schande“ auf keinen Fall publik werden zu lassen, wurde sie Hals-über-Kopf verheiratet mit einem Mann, der sie gar nicht wollte und den sie nicht wollte.

Konnte sie das Kind, daß sie erwarten mußte, überhaupt lieben? Sie hat es nicht geliebt – und der Sohn, den sie bekam, war ein so traurig ungeliebtes Kind, daß er die größte Geborgenheit bei der Hitlerjugend fand und sein Leben lang seine uneheliche Geburt als Scham empfand und noch mit achtzig Jahren darüber in Tränen ausbrach; lebenslänglich ein weinerliches, ungetröstetes Kind geblieben, das niemand zu trösten vermochte.

Auf ihr zweites Kind projizierte meine Großmutter all ihre Hoffnungen, da es doch ehelich geboren werden sollte, also mehr wert war als der erste Sohn. Aber dieses zweite Kind starb nicht mal dreijährig an Diphtherie. Da mußte das dritte herhalten, aber es war „nur“ eine Tochter und konnte einen reinen Sohn nie ersetzen. Diese Tochter, meine Mutter, versuchte ihr ganzes Leben lang, ein Junge zu sein, der von seiner Mutter geliebt wurde und scheiterte daran… Als sie dann als Junge Frau mich bekam, verlegte meine Großmutter, zu meiner Freude ihre ganze Liebe auf mich. Und meine Mutter, die die Jungen haßte, die sie selbst nicht werden konnte, haßte mich, weil sie soviel Schmerz und Zurückweisung erleiden mußte, weil sie selbst kein Junge war –Jungen also waren für sie der Hort der Mißachtung. Und obendrein verachtete meine Mutter sich selbst, weil sie die Mutter nicht sein konnte war, die zu sein die Gesellschaft und das Umfeld ihr auftrugen..

Heute, zwanzig Jahre nach ihrem frühen Tod, empfinde ich für ihr Dilemma tiefes Mitleid, aber keine Liebe. Denn wie konnte ich sie lieben, wenn sie sich selbst so verachtete und mit sich selbst auch mich. Daran ist sie psychisch und physisch, kaputtgegangen. Sie wollte diesen Sohn nicht und zwar schon ganz früh, seit dem ersten Tag, an dem sie merkte, daß sie schwanger war. Zwangsgeborene Kinder, die diese Hypothek mit ins Leben bekommen, können nicht glücklich werden.

So einfach allerwerteste Frau Lambrecht, ist das also nicht mit der Schwanger-und Mutterschaft, mit der Liebe, die angeblich alle Probleme löst. Das tut sie NICHT. Sie schwebt nicht im Raum herum, damit man sie fangen könnte – sondern ist immer gebunden an die Erfahrungen der jeweiligen Menschen. Liebe kann man nicht in Gang setzen wie einen Apparat…

Das Scheißleben…

Der Schriftsteller Peter Andreas Altmann hat ein schwarzes Buch über die fehlende Liebe geschrieben, über die falschen Erwartungen, den quälenden Zwang und das lebenslange Gefühl nicht dazu zugehören, nicht angenommen zu sein – und zwar vom Moment der Zeugung an.

Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißeben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend,“ (2011) beschreibt die grausamen Rituale des verlogen-strengen Katholizismus, der ja angeblich die Religion der Liebe ist – das ist er nicht, er ist die Religion der Herrschaft – wie alle Religionen.

Altmann wurde über Jahrzehnte von düsteren Gefühlen und Ängsten verfolgt – bis er seine Mutter nach völlig sinnlosen Therapien, aber gedrängt ahnungsvoll zur Rede stellte und sie eingestand – sie habe unmittelbar nach der Geburt, weil sie ihr Kind zutiefst verabscheute, ja haßte, versucht, ihn noch im Krankenhaus zu ersticken. Der Autor erzählt über Ursachen und Gründe dieses Hasses und beschreibt die Not seiner Mutter. All das wäre nicht passiert – und ja, der Geborene Altmann hätte nicht lebenslang leiden müssen – wenn seine Mutter die Zygote aus ihrem Leib gekriegt hätte.

Das Leben ist der Güter höchstes nicht

Und da schleudere ich Frau Lambrecht, ihn und Ihren Kombattanten ins Gesicht: es wäre in der Tat besser, daß die Ungeliebten, die erst zukünftigen Kinder, nicht geboren wären. Sie würden nicht leiden; jetzt leiden sie an der Ignoranz und Arroganz der Lebensschützer, an deren Drang zur Herrschaft über Zygote und Uterus. Oder, um es mit Emil Cioran noch deutlicher zu sagen:

Es hat keinen Wert Suizid zu begehen, weil man sich immer zu spät umbringt!

Nur die fanatisch Gläubigen rührt das Leid der Ungeliebten nicht. In diesem Sinne ist der von Christiane Lambrecht so niederträchtig umgedeutete „schöne Traum“ von Christina Hänel, daß ausschließlich Kinder auf die Welt kommen, die gewollt und geliebt sind, ein Satz der denkbar größten Humanität und Lebensschutzes.

Die Programmbeschwerde von Christiane Lambrecht (CDL)

http://www.kath.net/news/mobile/66867

Leseproben aus dem Buch von Andreas Altmann:

http://www.andreas-altmann.com/leseproben/das-scheissleben-meines-vaters
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Lesen Sie auch: Tango tanzende Jünglinge

11 comments
Mighty Quinn

… das Gute zuerst, Hr. Brosche; Ihr Link zu Fr. Lambrechts Programmbeschwerde auf ‚kath.net‘.

Der Rest, Ihre ‚persönlichen Erwiderung‘, ist es nicht einmal wert ignoriert zu werden.

    Wolfgang Brosche

    Angesichts Ihrer unverständigen Aburteilerei und menschlichen Kälte – über genau die schreibe ich – muß ich leider feststellen, daß ich völlig Recht habe. Vielleicht bin ich Ihnen aber auch nur über.
    Denn – ich halte erst einmal alle Leser, auch wenn sie nicht meine Erkenntnisse teilen wollen, für intelligent genug, sich damit auseinander zu setzen. Sie halten mich für ignorierenswert (um Wert ging es übrigens). Da haben wir uns beide geirrt.

      Mighty Quinn

      … falsch, Hr. Brosche, ich richte keinen Menschen. Das tut eine anderer. Lesen sollten Sie können, ich halte Ihre ‚persönlichen Erwiderung‘ für nicht einmal wert ignoriert zu werden.

Rainer Seifert

Zitat: Ein nicht-gewolltes Kind ist immer ein ungeliebtes, im besten Falle halbgeliebtes, mit Widerwillen geliebtes – NEIN, ich muß es deutlicher sagen: es gibt keine Halbliebe, Liebe mit Widerwillen exerziert. Ein solcher Mensch ist, wird und bleibt nicht angenommen.

Tut mir leid, aber selten ist mir ein schlimmerer Unsinn unter die Augen gekommen. Wie viel solcher Fälle kennen Sie außerhalb ihrer bedauernswerten Verwandtschaft? Und selbst wenn sie Hunderte oder Tausende kennen würden, was nicht möglich ist, so wäre es immer nur ein Wassertropfen im großen Teich.

Was glauben Sie, wie viele Schwangerschaften im Krieg, zumal in dessen zweiter Hälfte, wirlkich gewollt waren? Im Wehrpass meines Vaters befindet sich ein Stempel „Sonderurlaub – Füherergeschenk“ Datum ziemlich genau 9 Monate vor meiner Geburt. Was für ein schöner Zufall.

Mein Vater war einberufen zum Bodenpersonal der Luftwaffe. Dies nur, um einer wieder mal möglichen dümmlichen Erwiderung eines Klugsch…ers hier vorab entgegen zu wirken, dass er sich das „Geschenk“ durch irgendwelche Mordbrennereien verdient haben könnte.

Ob nun diese Schwangerschaft gewollt war glaube ich nun wirklich nicht. Zumal meine Mutter noch nicht volljährig war. Abtreibungen waren im III. Reich bei schwerster Strafe verboten. Es wäre in meinem Fall ohnehin nicht dazu gekommen.

Die Mutter meiner Frau war bereits im 40. Lebensjahr, als sie schwanger wurde. Ungewollt, es galt damals als Risikogeburt. Ein paar Jahre vorher hatte sie eine Fehlgeburt nach gewollter Schwangerschaft.

Wenn mir nun jemand einreden möchte, wir wurden als Kinder nicht geliebt, dann kann ich nur traurig ob einer solchen Meinung den Kopf schütteln. MIch dagegen beschäftigt der Gedanke, wie eine sich später überzeugend zur Abtreibung bekennende Frau dies ihrem anderen Kind vermitteln kann. Muss da nicht ein Gefühl aufkommen, als hätte man ein Stück von sich selbst durch Mord verloren?

Während der Flucht aus Schlesien wollte die SS – nach den Erzählungen meiner Mutter – mich nebst anderen Kindern auf einen Lastwagen verfrachten. Sie ließ das zum Glück nicht zu sondern widersprach. Zwar endete diese Flucht im Nirwana mit folgender Rückkehr, da bereits die Rote Armee am Zielort war. Bei einer Trennung wurden aber aber ungezählte Familien auseinder gerissen. Noch immer sind mir die großen Plakate des DRK mit Dutzenden Fotos von Kindern in Erinnerung, die ihre Eltern verzweifelt suchen.

Meine Frau wurde als Kind gar überbehütet und verhätschelt. Fast zog es sich noch bis hinein in unsere Ehe hin. Aber Herr Brosche weiß es sicher besser.

    kague

    Herr Seifert, möglicherweise verwechseln Sie „nicht gewollt“ mit „nicht geplant“.
    Natürlich ist nicht jedes Kind, dass aktuell nicht geplant war und ggf. auch große Probleme verursacht, ungewollt. Aber Herr Brosche schreibt über ungewollte Kinder. Wenn eine Frau sich für eine Abtreibung entscheidet, darf man ihr getrost unterstellen, dass sie (zumindest jetzt) kein Kind WILL. Sie habe zu Ihrem Glück andere Erfahrungen als Herr Brosche, sollten sie aber nicht zum allgemeingültigen Maßstab machen.

    Fred Groeger

    Jetzt wissen wir dann endlich, dass du Hitlers verspätete Rache bist, „Führergeschenk“ Seifert.

    Jetzt ist alles geklärt 😀

      kague

      Sie müssen Herrn Seifert ja nicht mögen, aber diese Bemerkung ist kaum unterbietbar.

        Fred Groeger

        @Kague:

        Wieso? Er hat diesen Quatsch selbst geschrieben. Beschwere dich also bei Seifert.

        Ich interpretiere nur sein ewiges Gesülze, um wenigstens etwas Spaß daran zu haben.

        Und was du für kaum unterbietbar hältst, interessiert mich gar nicht, du Möchtegernmoralist

        Wenn du immer noch nicht kapiert hast, dass man mit rechtsextremen Schwurbeltrollen wie dem völkischen Seifert nicht „lieb“ oder „höflich“ umspringen muss, ist das nicht mein Problem.

        Der Typ glaubt auch an eine „NWO-Verschwörung“ und postet öffentlich Schwachsinn von Neonazi-Seiten im Internet.

        https://www.facebook.com/rainer.seifert.56

        Fred Groeger

        Einfach merken, „Kague“:

        Deine Meinung, was du für „kaum unterbietbar“ hältst, ist mir scheißegal. 😀

        Ich sehe mich nicht dazu verpflichtet, gegenüber rechtsradikalen Schwurbeltrollen wie Seifert „nett“ oder „höflich“ zu sein, genausowenig wie gegenüber einem Möchtegernmoralisten, wie dir, die nur die Hälfte mitbekommen.

E.K.

Ich habe an die Tagespost einen Leserbrief geschickt. Auch ich empfinde Frau Lambrechts offenen Brief als unzumutbar:

Ich bin Katholikin aus Münster in NRW und immer wieder schockiert wie rückständig sich die katholische Kirche zum Thema Frauenrechte positioniert.

Kurz vorweg, ihr Artikel enthält ein paar Fehlinformationen und missverständliche Informationen:
Einmal zu der Häufigkeit der Anwendung der Methoden: Inzwischen werden in Deutschland nur noch 60% der Abbrüche mit der Absaugmethode durchgeführt, dafür gibt es mehr medikamentöse Abbrüche (statistisches Bundesamt). Dort, wo eine gute medizinische Versorgung besteht, ist die Zahl der medikamentösen Abbrüche sogar noch höher.
Außerdem schreiben Sie, dass durch eine Streichung des §219a sich Frauen eine Praxis aussuchen könnten, ohne zu einer Beratungsstelle zu gehen. Der §219a sagt jedoch nichts über die Beratungspflicht aus. Diese ist im §218 verankert. Sie sagen, dadurch würde eine Beratung zur reinen Formsache. Das ist sie heute auch häufig. Beraterinnen aus Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen berichten, dass sich die meisten Frauen bereits vor der Beratung entschieden haben.

Zum §219a StGB

Aus meiner Sicht ist es unmöglich für einen Schwangerschaftsabbruch zu werben. Werbung versucht, einen Bedarf zu wecken, z.B. wird ein leckerer Burger gezeigt, damit ich Lust auf einen Burger bekomme und diesen kaufe. Oder ein neues Auto oder schicke Kleidung. Niemand wird sich denken „Oh, Schwangerschaftsabbrüche sind so schön, ich werd mal schnell schwanger und mache eine Abtreibung“. Die einzige „Werbung“, die eine Praxis machen könnte, wäre zu zeigen, dass dort eine angenehme Atmosphäre herrscht. Wenn dadurch mehr Abbrüche in dieser Praxis vorgenommen werden, ist das legitim – Frauen sollten die Möglichkeit haben, einen Abbruch in einem angenehmen ambiente zu machen und wenn eine Praxis dafür besser geeignet ist, kann diese ruhig mehr Frauen behandeln. Durch diese Arzt der „Werbung“ erhöht sich aber keineswegs die Zahl der Abbrüch!

Ich empfinde die aktuelle Änderung des §219a StGB als Katastrophe. Weiterhin dürfen Arztpraxen nicht ausführlich informieren. Jede Person kann im Internet rausfinden, wie im Prinzip Abtreibungen ablaufen und welche Methoden es gibt. Aber welche Methode bietet diese Praxis an? An welchen Wochentagen? Wird bei einem medikamentösen Abbruch das Medikament in der Praxis oder zu Hause verabreicht? All dies sind Informationen, die es ermöglichen, den Termin für die Abtreibung gut zu planen.

Abgesehen davon enthält der §219a StGB ein völlig überholtes Frauenbild. Das Gesetz impliziert, dass Frauen keine informierten Entscheidungen treffen können, dass sie beeinflussbar sind durch Informationen oder „Werbung“. Da muss ich aber widersprechen: Jede Frau kann diese weitreichende Entscheidung bewerten, die Folgen einschätzen und eine Entscheidung treffen.
Zum Beispiel kann eine Frau sagen „ich sehe diesen Fötus als ungeborenes Leben, ich möchte auf keinen Fall eine Abtreibung machen, weil ich keinen Menschen töten möchte“. Eine andere Frau würde sagen „ich möchte ohne Kinder leben, daher kommt ein Kind für mich nicht in Frage“. Und eine dritte Frau sagt „es geht zwar gegen meine moralischen Überzeugungen, aber ich habe schon zwei Kinder und bin alleinerziehend. Ein weiteres Kind würde mich zeitlich überfordern und unsere finanzielle Not erhöhen. Das kann ich meiner Familie nicht antun. Schweren Herzens muss ich trotz meines christlichen Glaubens abtreiben.“ Diese Entscheidungen sind wohl überlegt. Jede Frau sollte ihrer Lebenssituation und ihren Werten entsprechend, unter Einbezug der Verantwortung für den lebenden Fötus/Embryo, eine informierte Entscheidung treffen können.

Zur Lage von Ärzten und der medizinischen Versorgung:

Sie schreiben, es ginge Ärzten bei Abtreibungen um Geld. Erst einmal finde ich diese Unterstellung respektlos. Außerdem: Wenn Abtreibungen so ein lukratives Geschäft sind, wieso ist dann die Zahl der Arztpraxen und Kliniken, die Abbrüche vornehmen seit 2003 um 40% gesunken? Mit Schwangerschaftsabbrüchen lässt sich als Arzt oder Ärztin kein Ruhm verdienen und eine schöne Arbeit ist es auch nicht. Außerdem ist es, wie sie selbst sagen, aktuell keine normale medizinische Leistung, sondern eine Straftat, die nur durch Beratungsschein straffrei wird. Kaum Ärzte bewegen sich gerne im Rahmen von Strafbarkeit. Die Kosten für den Eingriff stehen den Aufwänden für Praxisräume etc. gegenüber. Es gibt immer weniger Arztpraxen und Kliniken, die die Abbrüche vornehmen.

Dieser Trend trifft vor allem einkommensschwache Frauen. Wenn sie eine Reise in eine andere Stadt auf sich nehmen müssen, entstehen Kosten für Anfahrt, Kinderbetreuung und Verdienstausfall. Und ein Abbruch besteht immer aus mindestens zwei Arztterminen. Dies ist gerade für einkommensschwache Frauen schwierig.

Zum Thema Lebensschutz und Menschenwürde

Bei einer Abtreibung wird ein Embryo oder Fötus aus dem Mutterleib entfernt, kann eigenständig nicht weiterleben und stirbt. Es gibt niemanden auf der Welt, der sich wünscht, dass möglichst viele Schwangerschaften abgebrochen werden. Was jedoch ist die Alternative zu einem legalen und sicheren Schwangerschaftsabbruch? Die WHO hat festgestellt, dass eine restriktive Gesetzgebung die Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen NICHT senkt, sondern lediglich das Gesundheitsrisiko und Sterberisiko der Frauen bei Abbrüchen erhöht. Wenn ich also auf die Fakten schaue, schützt Frau Hänel Leben und Sie bedrohen Leben. Daher finde ich den Begriff „Lebensschützer“ für Frau Hänel angebracht, für Sie jedoch vollkommen unpassend.

Sie stellen Frau Hänel die Frage, „Woher wollen Sie wissen, dass die Mutter oder der Vater dieses Kind nicht doch lieben werden und können?“ – da stelle ich Ihnen gleich die Rückfrage: „Woher wollen Sie wissen, dass die Eltern das Kind lieben werden?“ Weiter schreiben Sie, dass Frau Hänel der Frau die Fähigkeit abspricht, „ihr Kind annehmen und lieben zu können.“ Dass tut Frau Hänel nicht. Jede Frau, die ihr Kind annehmen und lieben möchte, begleitet Frau Hänel sicher gern. Sie sind diejenige, die Frauen so einiges nicht zutraut, zum Beispiel moralische Entscheidungen zu treffen. Für Sie ist vielleicht „Die Geburt eines Kindes Freude und Hoffnung“. Für andere Frauen bedeutet die Geburt eines Kindes Arbeitslosigkeit, Abhängigkeit vom Partner, Überforderung, Armut, Abbruch der Ausbildung, oder auch einfach ein Leben mit Kind, wenn die Person ohne Kinder leben möchte. Ihre Träume sind nicht die Träume aller Frauen, Frau Lambrecht!! Ich persönlich wünsche mir Kinder. Aber ich würde niemals so anmaßend sein, diesen Wunsch allen Menschen dieser Welt vorschreiben zu wollen.

Es geht nicht darum, unter welchen Umständen ein Abbruch richtig oder falsch ist. Es geht darum, dass diese Entscheidung nicht Sie treffen oder der Staat, sondern dass diese Entscheidung am besten durch die Schwangere getroffen werden kann.

Sie schreiben von der Verantwortung, die die Eltern, der Staat und die Gesellschaft für die Kinder haben. Aber wer trägt das Kind aus? Wer muss beruflich zurückstecken? Einer der am häufigsten genannten Gründe für Abbrüche sind schwierige Partnerschaften. Es ist verdammt schwer, ein Kind allein großzuziehen oder gar mehrere. Alleinerziehende sind in vielen Bereichen benachteiligt. Sie sagen zwar, die Gesellschaft, Vater und Mutter tragen die Verantwortung. Letztendlich bleibt sie aber bei den Müttern hängen. Daher sollten diese auch die Entscheidung treffen können. Und sie wird diese Entscheidung treffen.

Noch einmal möchte ich betonen, dass weder ich, noch Frau Hänel FÜR Abtreibungen sind. Wir sind lediglich, wie von der WHO empfohlen, für sichere Abtreibungen. Darüber hinaus geht es mir darum, dass Frauen nicht stigmatisiert werden, wenn sie sich für einen Abbruch entscheiden. Dieses Stigma hat nur die Frau zu tragen, niemals der Erzeuger. Das ist für mich keine Geschlechtergerechtigkeit und widerspricht ganz klar dem Grundsatz der Menschwürde. Es ist unwürdig, Listen mit Adressen unter der Hand gereicht zu bekommen. Es ist unwürdig, seine Ärzt*innen nicht wählen zu können. Es ist unwürdig, in eine nächste größere Stadt fahren zu müssen. Es ist unwürdig, wenn einem nicht zugetraut wird, mit Informationen umzugehen. Und es ist unwürdig, nicht selbst über den eigenen Körper, den eigenen Kinderwunsch und die eigene Zukunft entscheiden zu können.

Dies sage ich als junge Katholikin. Frau Lambrecht, Sie repräsentieren mich nicht! Bitte bedenken Sie die Fakten und fangen an, wirklich Leben zu schützen. Wenn Sie schon nicht die Frauenleben von Frauen, die abtreiben, schützen wollen, so setzen Sie sich wenigstens ein für Flüchtlinge im Mittelmeer, für die Rechte von schwangeren Geflüchteten, die aus Deutschland gewaltvoll abgeschoben werden, obwohl sie hochschwanger sind, gegen Waffenexporte. Versuchen Sie, die Bedingungen für Familien zu verbessern, besonders für Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Eltern, einkommensschwache Familien. Und versuchen Sie dafür zu sorgen, dass Kinder nicht Verantwortung der Frauen bleiben, sondern dass Männer ihren Teil dazu beitragen. Setzen Sie sich ein für gleiche Löhne von Frauen und Männern, so dass alleinerziehende Frauen ihre Kinder versorgen können.

Dies sind Beispiele für Maßnahmen, die das Potential haben, Leben zu retten. Was Sie fordern, ein Zwang zum Austragen von Kindern, rettet keine Leben. Er gefährdet und entwürdigt lediglich die Schwangere.

    Peter Werner

    Ihre Haltung ist die eines moralischen Relativismus. Das ist aus katholischer Sicht inakzeptabel. Aber es wundert mich andererseits auch wieder nicht, denn Sie schreiben ja, dass Sie aus Münster in NRW kommen und da muss ich (übertragen mit Nathanael aus dem Johannesevangelium) fragen: Aus Münster? Kann von dort etwas Gutes kommen (insbesondere nach MARIA 2.0) (Joh 1,46)?

    Es gelten für uns Christen die 10 Gebote Gottes. Jesus hat diese meines Wissens nicht aufgehoben. Und so gilt auch: Du darfst kein unschuldiges Leben töten. Sie setzen sich einfach mal so darüber hinweg. Ich räume ja ein, dass es Situationen gibt, wo es mit einem Kind oder NOCH einem weiteren Kind echt schwer werden kann. Aber das gibt einer Frau oder einem Paar noch lange nicht das Recht sein eigenes Kind zu töten. Wenn die Belastung zu groß wird, gibt es immer noch die Möglichkeit das Kind zur Adoption frei zu geben oder zur Pflege in eine andere Familie zu geben. Es gibt ein Menschenrecht auf Leben aber es gibt kein Recht auf Abtreibung!

    Sie kommen mit dem Argument, das sei eine Gewissensentscheidung, die die
    Frau oder das Paar trifft (ob nun für oder gegen das Leben des Kindes) und die anderen Menschen müssten das in jedem Fall akzeptieren, hätten also gar nicht das Recht insbesondere eine Entscheidung gegen das Leben des Kindes zu hinterfragen.

    Das ist falsch! Lesen Sie, was der vor ein paar Monaten verstorbene Philosoph Robert Spaemann dazu sagt: „Über die Frage…, ob ungeborene Kinder etwas Schützenswertes sind, kann man diskutieren, wenngleich die Verfassung
    unseres Landes diese Frage bejaht. Unsinnig aber ist der Slogan, es sei dies eine Frage, die irgendwelche Menschen in ihren Gewissen zu entscheiden hätten. Denn entweder, es gibt gar kein Lebensrecht von Ungeborenen, dann braucht man das Gewissen überhaupt nicht bemühen. Oder es gibt ein solches Recht, dann kann es nicht zur Disposition des Gewissens anderer Menschen (ich füge ein: auch nicht des Gewissens der Eltern des Ungeborenen) gestellt werden.“

    Sie behaupten weiter, Abtreibungsärzte würden mit ihrem Handeln wenig oder gar keinen Gewinn erzielen. Nach meinen Informationen ist die Gewinnspanne sehr ordentlich (Kosten für Kasse oder die „Patientin“: zwischen 300,- und 800,-€; Quelle: Pro Familia). Der Journalist Daniel Bröckerhoff (heute plus/ ZDF) hat die Hänel im Dezember direkt gefragt, was sie denn so verdient bei einer Abtreibung. Was meinen Sie, wie die „Ärztin“ herumgeeiert ist und perdu nicht rausrücken wollte, mit einem Euro-Betrag – ein sehr aussagekräftiges Schweigen! Und warum sollen nicht doch immer mehr Ärzte moralische Skrupel in den letzten Jahren bekommen haben, denn das sind auch Menschen mit Herz und Verstand, die außerdem einen Eid geschworen haben, wo es u.a. heißt, niemals einem Menschen Schaden zufügen zu dürfen? Sie haben in ihrer Ausbildung auch Embryologie belegt und wissen wie weit ein Mensch schon entwickelt ist zwischen der 7. bis 12. SSW.

    Schließlich tun Sie Frau Lambrecht richtig Unrecht in dem Sie ihr unterstellen, sie bedrohe das Leben von Frauen. Was für ein schlimmes sophistisches Scheinargument.

    Es ist doch nicht Frau Lambrechts Schuld, wenn trotz eines gesetzliches Ab-
    treibungsverbotes Frauen eine illegale Abtreibung vornehmen lassen und dabei nicht nur ihr Kind umbringen, sondern auch ihre eigene Gesundheit gefährden. Das liegt ganz allein in der Verantwortung der Frauen bzw. Paare. Im Übrigen muss ich sagen, führen die Lebensrechtler nicht nur einen politischen Kampf gegen die immer weitere Lockerung des gesetzliches Lebensschutzes! Mit mindestens der gleichen Intensität kümmern Sie sich auch um betroffene Frauen und versuchen diese materiell und psychologisch zu unterstützen.

    Sie schreiben, Frau Hänel wäre nicht für Abtreibungen? Häh? Die Frau will für ihr „Recht“ zu „informieren“ und weil sie angeblich „die Frauen nicht allein lassen kann“ bis vor’s BVG ziehen. Ich bin überzeugt, diese glasklare Abtreibungsaktivistin hätte die Möglichkeit gehabt ihr Gerichtsverfahren ganz leicht durch die Bezahlung einer geringen Geldbuße abzuwenden. Aber gerade weil sie, als Abtreibungsaktivistin und Feministin, in unserem Land die Abtreibungsgesetzgebung immer weiter liberalisieren möchte, hat sie sich bewusst verklagen lassen, um bis nach Karlsruhe gehen zu können. Und warum will sie selbst gerne über ihre Homepage bis ins kleinste Detail über Abtreibung und wie das in ihrer Praxis läuft „informieren“? Nicht nur um es den „armen“ Frauen möglichst leicht zu machen beim Loswerden ihrer Kinder, sondern auch um die wirtschaftliche Verwertungskette „Abtreibung“ in ihrer Praxis super zu optimieren. Beratung und Aufklärung werden sehr kosteneffektiv an die Algorithmen des Internets ausgesourct. Personal und Zeit für diese Elemente können maximal reduziert werden, der wirtschaftliche Profit wird signifikant gesteigert. Frau Hänel braucht die betroffenen Frauen schließlich nur noch zu fragen: „Haben Sie meine Informationen gelesen? Haben Sie noch Fragen? Bitte unterschreiben Sie hier!“ Übrigens fehlt in ihren Informationen natürlich auch nicht der Hinweis, zum Abtreibungstermin auch die Kostenübernahmeerklärung der Krankenkasse oder BARGELD mitzubringen. Auch ein interessantes Detail zur Uneigennützigkeit dieser Frau.

    Und dann diese aus ärztlicher und menschlicher Sicht an Zynismus nicht mehr zu überbietende Schlussansprache der Hänel bei der „Anne Will“-Sendung (03.02.19); Inhalt (sinngemäß u. gekürzt): Kinder, die auf die Welt kommen, sollen geliebt und gewollt sein,… Bla, Bla, Kitsch, Kitsch. Das sagt sie, vor dem Hintergrund ihres Engagements als Abtreibungsaktivistin und Abtreibungs“ärztin“ (sie ist ja noch nicht mal Frauenärztin!).Und das kann, wenn man das logisch zusammensetzt, doch nur meinen: Kinder, die nicht gewollt und geliebt sind (vermeintlich, sie weiß es doch gar nicht!) haben kein Lebensrecht und sollten besser entsorgt werden. Und sie ist da gerne behilflich, weil das in ihrer Praxis fachgerecht und unter sterilen Kautelen von
    statten geht.

    Abtreibung ist eine schwere Sünde, liebe junge Katholikin, aber weil Sie aus Münster kommen, wissen Sie wahrscheinlich mit der Kategorie Sünde auch nichts anzufangen. Ich will Ihnen aber gerne zugute halten, dass Ihnen der katholische Glaube auch von Religionslehrern und Priestern (von irgendwelchen Pastoralreferenten ganz zu schweigen) nie wirklich gut erklärt worden ist. Da gehören Sie seit dem 2. Vatikanischen Konzil zu der großen Mehrheit unserer Brüder und Schwestern. Leider bleibt Ihnen aber damit auch die wirkliche Schönheit unseres Glaubens verborgen und die Gefahr ist nicht gering, dass Sie auch den Weg zum ewigen Heil (schon der nächste Begriff, den Sie im Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche [KKK] mal nachschlagen müssten) nicht finden können und das wäre wirklich ein Jammer.

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