Deutschland nach diesem Erdbeben? Man könnte jetzt versuchen, Dinge zu sortieren.
Wer gewonnen hat. Wer verloren. Wer sich zum Sieger krönt. Wer erklärt, warum alles so ganz anders gemeint war.
Man könnte….
Oder man hört Musik.
Eventuell erklärt ein guter Song einen politischen Abend eben präziser als die nächste Talkrunde.
Vorhang auf.
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I. Der letzte König
Bowie Berlin Babylon Sonntag kurz nach 18 Uhr: Der Sound:
David: „Neukölln“
Das Bild:
Er steht vor der Kamera.
Ganz max vor Schreck.
Und doch festen Willens.
Entschlossen mehr denn je.
Dabei ein Hauch ungeschickter Demut.
In frischen Steingrau.
Yesferatu meets „Rock’n’Roll Suicide“.
On Catholic Sundays.
So scheint es.
So wirkt es.
So ist es wohl.
Doch hält es mich als Bürger bei der Bohnenstange?
Leider nicht.
„I’m goonna run away on catholic Sundays.“
Pink Turns Blue:
Weshalb.
Weil er unmöglich ist?
Uns alle beleidigt?
Achwas.
Er könnte täglich so unmöglich sein, wie Dr House, wäre er nur fachlich ähnlichen Kalibers. Kein Ding.
Jedoch: ein Kanzler,
der jede Landtagswahl faktisch
zur allergischen Bundesabstimmung über seine Person macht?
Mit so einem Kanzler können wir uns bald nur noch aussuchen, ob die Verfassung der Länder samt Gewalteinteilung wahlweise von Lechz oder Rinks ausgehöhlt wird.
Darin liegt die Normativität des Faktischen.
Vermag er dieses Ruder herum zu reißen?
Ich fürchte nein.
Aber gut wäre es im Sinne der repräsentativen Demokratie, aye?
Deshalb mag zumindest ich ihm trotz allem Gebotenen nicht jenen menschlichen Respekt versagen,
obgleich er selbigen viceversa kaum aufbringt.
Wir hingegen können zumindest den Versuch unternehmen, etwas besser zu machen als jene, die man kritisiert.
Deshalb Props für seine Haltung:
Ronin: „L’Ultimo Re“
Der letzte König, ein morriconesker Abgesang auf Revolverhelden und Westernmythen. Der aus der Zeit gefallene Gunslinger bleibt Gefangener von Schmerz wie Tod in dämonisch rauher Natur. Die blutige Endstation zerschlissener Staubmäntel in wonnigem Lagerfeuersound.
Cut
II. Stabilität plus Perspektive
„Stabilität plus Perspektive“ sagt Albrecht von Lucke bei Lanz. Dies sei die simple Zauberformel und das große Manko zugleich.
Wer mag da widersprechen?
Und wer bringt beides mit nach diesen Wahlen? In der Hauptstadt?
Gen Z Nena mit ….hust….Jalla Jalla Intifada…hust … und gaaaanz viel Liebe für alle, alle Menschen?
Wird bestimmt knorke.
Dafür gern gern den doppelten Mielke mit Goldfaden.
Es sei denn, du bist vielleicht Jude oder hast ein Problem mit kollegahhaft auftretenden Abgeordneten, die den Antisemitismus gern 24/7 zur antirassistischen Fußnote mit eingebauter Täter/Opfer-Umkehr-Bringschuld umdeuten.
Ja nee, dann sorry.
Dafür jetzt irgendwas so volle Kolle, voll Babo irgendwas verlinken? Klar, dafür hat denen der „Mond schon zu sehr ins Ghetto gekracht“, diesen legendär unfreiwillig komischen Szeneklassiker nicht zu bringen. Al Massivra galore:
Massiv:
Jenseits allen Galgenhumors für derlei Gestalten plus diesen dirtyblue Teddybär of Doom von der Ostseefront indes:
Cut
III. Go for the Reich
Go for the Reich, Baby?
Steve Reich.
Steve Reichs Wurzeln entstammen einer deutsch-jüdischen Familie. Die Eltern trennen sich bereits 1937, wobei er mit dem Vater in New York lebt und seine Mutter nach Los Angeles zieht. Um den Kontakt aufrecht zu erhalten, reist der kleine Steve samt Nanny bereits von Kindesbeinen an per Zug zwischen Eastcoast und Westcoast quer durch die Staaten. Immer und immer wieder.
Diese langen Fahrten mit ihren vielen Eindrücken prägen Reich dauerhaft. „Different Trains“ verbindet die eigene Biografie mit den parallel durch Europa rollenden Vernichtungszügen der Nazis.
„Als Jude, der in Europa geboren wäre, hätte ich zur gleichen Zeit wahrscheinlich nicht in gemütlichen Reisewagons gesessen, sondern in den Holocaust-Zügen.“
Diesem Gedanken folgt die Platte in einer verstörenden Mischung aus anmutiger Schönheit („America-Before The War“) und Grauen („Europe-During The War“/“After The War“).
Cut
IV. Alle gegen Alle
Und jetzt?
Was jetzt?
Das ist ja die Frage.
Wenn man Gysi und Bartsch schon per Hubschraubereinsatz vor der Brut des Thunberges erretten möchte, zeigen Ahmad Mansour und Gordon Repinski per Analyse deren Verlorenheit auf allen Posten auf.
Wie damit umgehen?
Ich habe lediglich das Spurenelemen einer leisen Ahnung, wie es womöglich eher nicht ganz so gut klappt.
DAF – „Alle gegen Alle“
Cut
V. My Valentine:
„Jedes Ding hat 3 Seiten; eine positive, eine negative und eine komische.“ sagt Karl Valentin.
Sisters of Mercy – „Valentine“
Schließen wir die heutige Kolumne mit dem lustigen Teil.
Sehr komisch wird es nämlich, so man sich auf die Suche nach aktuellen Intellektuellen Stimmen des bürgerlichen Lagers macht, die jene von Regierungsseite gebotene Vorstellung, nicht selbst eifrig im Limboschritte zu unterschreiten sucht.
Vielleicht möchte man etwas erfahren über das extrem komplexe Lawinenproblem bundesweiter Wohnungsnot in den Metropolen? Am besten serviert von seriösen Autoren/Journalisten, die zumindest im Ansatz von Faktenwissen und Kompetenz beseelt sind?
Geistige Avantgarde erwartet ohnehin keiner.
Aber wenigstens mal die Eigenspiegelung analog
„Wie korrigieren wir die dümmliche Dämonisierung schwarzgrüns – alles Grünen – wär‘ jetzt ne Option und wie bekommen wir alle die arabisch und türkischstämmigen konservativen der zweiten oder dritten Generation zurück, die zwar total in unser Milieu passen, sich aber immer berechtigt noch gekränkt fühlen zB von der Stadtbild-Diskussion?“
Sorry.
Damit kann ich nicht dienen.
Aber wer aus Gründen der Unterhaltung Antworten sucht mit der inhaltlichen Substanz eines Soufflees bei offener Ofentür, dem empfehle ich unsere zwei Helden der Arbeit, wie immer höchst zielsicher auf dem Pfade zwischen bourgeois und citoyen.
Man wird dort nie enttäuscht. Es ist köstlich. Hie unwölfisch hingeföhntes Hundebashing und lustig missverstandem Motörhead-Zitat.
Bad Religion – „Blenderhead“
Sauber eskortiert von einer Sichtweise, die, mein Schatz, dieses Wohnungsproblem, mein Schatz. Alles garstige linke Hobbits. Zu faul für dich, mein Schatz, zu faul für uns – ich erkläre es allen doch immer so geduldig am Buffet. Ich habe die alle durchgefüttert. Alle.
Bitte wie?
Ob ich überhaupt in Berlin lebe, das Leben dort kenne?
Nein, nein!
Nicht immer diese Linken Zwischenfragen. Die sitzen überall in den Medien. Die Rechten auch. Eigentlich alle. Ich fühle mich dabei so Eminem, mein Schatz. Feels so empty without me. Apropos „leer“ jetzt wenigstens mal nach schenken hier, und h a l l oooo, der Teller dort ist m e i n e r. Danke.
Wo waren wir? Achso ja, erstmal ein gemeinsames Foto, mein Schatz. Oh, ist das alles so interessant mit Ihnen, weil es endlich zeigt, dass ich schon immer alles wusste, alles, mein Schatz.
Hab’s sonst – hier schauen sie mal die Fotos – mit diesen anderen Vögeln, die ich so gern ereignislos umarme. Da muss ich immer weinen…also um mich, weil da überall diese Linken sind, diese Vögel, diese Linken Vögel, Prost, mein Schatz.
Blue Öyster Cult: „Joan Crawford“
In diesem Sinne
From Hamburg
with Love
UK











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