Prepper – Vorbereitung auf die Machtübernahme?

Ein früherer Nachbar von mir übte einmal im Jahr den Ernstfall. Zusammen mit Frau und Kindern verzog er sich in seinen Keller, der zum Schutz gegen den elektromagnetischen Impuls mit einer Metallfolie verkleidet war. Die Familie legte sich unter einen mit Folie überzogenen Billardtisch. Die Einladung, an der Übung teilzunehmen, lehnte ich stets ab. Die entgeisterte Frage der Ehefrau, was ich denn im Falle eines Atomkrieges machen werde, beantwortete ich mit: „ Ich nehme mir eine gute Flasche Wein und guck mir das Ende vom Balkon aus an. Wenn Sie nach Monaten wieder aus Ihrem Loch kommen, bin ich längst erlöst, während Sie sich auf der verwüsteten Erde was zu trinken suchen müssen.“ Das fand sie nicht lustig und so war es auch nicht gemeint.

Allzeit bereit

Okay. Das Motto der Pfadfinder – Allzeit bereit, nicht etwa allzeit breit – ist ja nicht dumm. Für Not- und Katastrophenfälle gerüstet zu sein, ist nicht grundsätzlich verkehrt. Ein paar Kerzen für den Fall des Stromausfalls, ein paar Kästen Wasser, falls die Frischwasserversorgung versagt und einen kleinen Vorrat an haltbaren Lebensmitteln sollte man schon haben. Hab ich auch. Und ein paar Flaschen Wein natürlich. Und falls es ganz hart kommt, einen guten Single Malt.

Prepper wollen für die richtig geilen Katastrophen gerüstet sein. Die warten auf den Tag X, an dem die Welt mehr oder weniger untergeht, also auf einen großen Krieg, den Absturz eines großen Meteoriten oder vielleicht die Ankunft von Außerirdischen. Sie gieren nach Dystopie. Das wollen sie überleben, um danach die Welt zu beherrschen bzw. das was dann noch übrig ist. Mad Max, mad world.

Nun könnte man das ja alles für ganz spaßig halten, wenn nicht Teile der Prepperszene aus äußerst merkwürdigen Personen bestünden. Da tummeln sich u.a. Reichsbürger, Nazis und ganz unpolitische Irre. Wäre kein Problem, wenn die wirklich nur in ihren selbstgebauten Bunkern blieben, bis der Führer wieder aufersteht. Ob das allerdings der Fall ist, muss ernsthaft bezweifelt werden.

Gefährder

Es ist schon länger bekannt, dass es Kontakte der Prepper in die rechtsextreme Szene gibt. Und dabei reden wir nicht von dumpfen Naziskins, sondern von Ärzten, Anwälten, Handwerkern, Ingenieuren und nicht zuletzt von Polizisten und Soldaten. Bereits 2017 fiel dabei der Bundesanwaltschaft eine aus einer Chatgruppe hervorgegangene Gruppe namens „Nordkreuz“ auf. Die Bundesanwaltschaft vermutete, dass diese Gruppe sich auf den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung vorbereite, den sie im Zusammenhang mit der „Flüchtlingswelle“ befürchtete oder auch herbei sehnte. Bei zwei der damals durchsuchten Personen fand man Listen mit mehreren tausend Datensätzen von Personen. Die Bundesanwaltschaft vermutet, dass diese überwiegend „linken“ Personen im Falle eines Staatsstreichs getötet werden sollten. Solche Horrorstories kennt man sonst nur aus Romanen oder Filmen, nicht aber aus dem Bereich des idyllischen Heimatfilms.

Wenn Polizeibeamte und insbesondere Mitglieder von Spezialeinheiten sich derartigen Gruppen anschließen oder sie auch „nur“ durch die Überlassung von Kriegs- oder sonstigen Waffen unterstützen, dann besteht höchste Alarmbereitschaft. Solche Beamte müssen – sofern ihnen die vorgeworfenen Taten nachgewiesen werden – ohne Wenn und Aber aus dem Polizeidienst entlassen werden. Damit sind sie zwar aus dem Dienst, aber sie sind nicht aus der Welt. Und sie werden nach ihrer Entlassung noch größere Vorbehalte gegen den Rechtsstaat hegen, also ohnehin schon. Das sind im wahrsten Sinne des Wortes Gefährder.

Todeslisten

Wenn die Innenminister, die gerne die harten Verteidiger der Rechtsordnung mimen, gegen derartige Umtriebe kein geeignetes Mittel finden, wird es nicht mehr lange dauern, bis die Staatsfeinde in diversen Uniformen ihre Todeslisten abarbeiten.

Das Kriegswaffenkontrollgesetz sieht durchaus Strafen bis zu 10 Jahren vor.

§ 22a Sonstige Strafvorschriften

(1) Mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer

1.

Kriegswaffen ohne Genehmigung nach § 2 Abs. 1 herstellt,

2.

die tatsächliche Gewalt über Kriegswaffen ohne Genehmigung nach § 2 Abs. 2 von einem anderen erwirbt oder einem anderen überlässt,

3.

im Bundesgebiet außerhalb eines abgeschlossenen Geländes Kriegswaffen ohne Genehmigung nach § 3 Abs. 1 oder 2 befördern lässt oder selbst befördert; dies gilt nicht für Selbstbeförderungen in den Fällen des § 12 Absatz 6 Nummer 1 sowie für Inhaber einer Waffenbesitzkarte für Kriegswaffen gemäß § 59 Absatz 4 des Waffengesetzes von 1972 im Rahmen von Umzugshandlungen durch den Inhaber der Erlaubnis,

4.

Kriegswaffen einführt, ausführt, durch das Bundesgebiet durchführt oder aus dem Bundesgebiet verbringt, ohne dass die hierzu erforderliche Beförderung genehmigt ist,

5.

mit Seeschiffen, welche die Bundesflagge führen, oder mit Luftfahrzeugen, die in die Luftfahrzeugrolle der Bundesrepublik Deutschland eingetragen sind, absichtlich oder wissentlich Kriegswaffen ohne Genehmigung nach § 4 befördert, die außerhalb des Bundesgebietes ein- und ausgeladen und durch das Bundesgebiet nicht durchgeführt werden,

6.

über Kriegswaffen sonst die tatsächliche Gewalt ausübt, ohne dass

a)

der Erwerb der tatsächlichen Gewalt auf einer Genehmigung nach diesem Gesetz beruht oder

b)

eine Anzeige nach § 12 Abs. 6 Nr. 1 oder § 26a erstattet worden ist,

oder

7.

einen Vertrag über den Erwerb oder das Überlassen ohne Genehmigung nach § 4a Abs. 1 vermittelt oder eine Gelegenheit hierzu nachweist oder einen Vertrag ohne Genehmigung nach § 4a Abs. 2 abschließt.

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1 bis 4, 6 oder 7 gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Straftaten verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds handelt.

(3) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

(4) Wer fahrlässig eine in Absatz 1 Nummer 1 bis 4, 6 oder Nummer 7 bezeichnete Handlung begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(5) Nach Absatz 1 Nr. 3 oder 4 wird nicht bestraft, wer Kriegswaffen, die er in das Bundesgebiet eingeführt oder sonst verbracht hat, freiwillig und unverzüglich einer Überwachungsbehörde, der Bundeswehr oder einer für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit zuständigen Behörde oder Dienststelle abliefert. Gelangen die Kriegswaffen ohne Zutun desjenigen, der sie in das Bundesgebiet eingeführt oder sonst verbracht hat, in die tatsächliche Gewalt einer der in Satz 1 genannten Behörden oder Dienststellen, so genügt sein freiwilliges und ernsthaftes Bemühen, die Kriegswaffen abzuliefern.

Dazu käme noch der Diebstahl bzw. die Unterschlagung. Könnte also einen längeren Aufenthalt im Knast bedeuten, wenn, ja wenn den die Täter die von rechten immer wieder gerne geforderte Härte des Gesetzes zu spüren bekämen.

Sgt. Prepper

Die Verdächtigen sollen das alles nur als Spiel erklärt haben. Ein Spiel mit über 10000 Schuss Munition? Zumindest ein skurriles und beängstigendes Spiel. Ich möchte Menschen, die solche Spiele spielen, nicht in der Polizei oder der Bundeswehr haben. Die haben im Staatsdienst überhaupt nichts verloren. Ich möchte Beamten grundsätzlich vertrauen können und mich nicht jedes mal fragen müssen, ob ich möglicherweise Sgt. Prepper, einen durchgeknallten Reichsbürger in Uniform, vor mir habe.

Durch meinen Beruf kenne ich viele Polizisten, auch einige Elitepolizisten. Bei denen hatte ich noch nie das Gefühl, dass sie irgendwie ein Rad abhaben könnten. Insbesondere bei der Auswahl der SEK-Mitglieder wird großer Wert nicht nur auf körperliche, sondern auch auf geistige Fitness und Gelassenheit gelegt. Wenn es also in Mecklenburg-Vorpommern SEK-Mitglieder gibt, die in solch seltsamen, gefährlichen Gruppen vertreten sind, dann ist es notwendig, die dortigen Auswahlkriterien unter die Lupe zu nehmen. Da hilft es nicht, wenn der Minister für Inneres und Europa des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier die Polizei im Ganzen in Schutz nimmt und sagt:

Das ist nicht die Landespolizei.

Das hatte aber auch bisher niemand behauptet. Nicht alle Cops sind Bastarde. Aber dass es überhaupt solche Menschen in den Polizeidienst schaffen oder sich im Laufe der Jahre in eine solche Umgebung von Wahnsinnigen begeben, die meinen, das Recht selbst in die Hand nehmen zu müssen, darf nicht weg geleugnet werden. Da muss etwas passieren. Und zwar jetzt!

Wenn Caffier eine „strukturelle und personelle“ Überprüfung der Diensteinheit ankündigt, „um jeglichen Anschein und Unterstellungen einer Verstrickung auszuräumen“, dann ist das schon mal ein Anfang. Allerdings darf es nicht bei dieser Diensteinheit bleiben. Die gesamte Polizei gehört auf den Prüfstand, einschließlich der Bewerberauswahl. Ich habe in Mecklenburg-Vorpommern Polizisten als Zeugen erlebt, denen möchte ich nicht im Dunkeln begegnen.

Keine Angst?

Die Polizei übt eine sehr wichtige Aufgabe in unserem Staat aus. Sie darf im ihr gesetzlich vorgegebenen Rahmen Gewalt ausüben, ja sie muss das sogar tun. Aber der Bürger muss bei jedem Polizeibeamten sicher sein können, dass er nicht einen Reichsbürger, Identitären oder Neonazi in Uniform vor sich hat.

Es gab einigen Widerspruch als ich die immer weiter ausufernden Einschränkungen der Freiheit durch zunehmende staatliche Überwachungsmöglichkeiten scharf kritisiert habe. Aber genau an diesem Punkt wird die Monstrosität des Überwachungsstaats sichtbar. Es ist nicht jeder Polizeibeamte ein Staatsdiener, manch einer ist auch ein Staatsfeind. Und glauben Sie, dass jemand der Munition klaut und die an eine rechtsextreme Gruppe weitergibt, irgendwelche Hemmungen hätte, auch Informationen aus dem Polizeicomputer an seine Gesinnungsgenossen weiter zu geben? Wie soll da auch nur eine Razzia funktionieren, wenn der Kamerad in Uniform vorher Bescheid gibt? Glauben Sie, die „Ermittlungspannen“ bei den NSU-Morden seien alles nur bedauerliche Zufälle? Bei allem naiven Glauben an das Gute in der Polizei – und ich sage noch einmal, dass das deutlich überwiegt – ich glaube das nicht. Wenn es den verantwortlichen Innenministern nicht umgehend gelingt, die Polizei von rechtsstaatsfeindlichen Elementen zu befreien, dann wird es schwer sein, in der Bevölkerung noch ein Vertrauen in die Polizei aufrecht zu erhalten. Ich möchte nicht Angst haben, ausgerechnet von einem Polizisten erschossen zu werden, wenn ich auf so einer Liste stehe (wovon ich leider ausgehen muss).

Das wäre ein schönes Thema für die Innenministerkonferenz gewesen, statt darüber zu philosophieren, wie man die Bürger noch etwas besser bespitzeln könnte. Aber wer weiß, vielleicht klappt das ja beim nächsten Mal. Falls bis dahin nicht wieder alles unter den Teppich gekehrt wurde.

21 comments
Mighty Quinn

… ‚Prepper‘ sind das Furunkel einer Diktatur. In einer souveränen Demokratie gibt es keine ‚Prepper‘.

Widerstand ist (ein) Naturrecht. Das können Sie bei Thomas von Aquin nachlesen. Widerstand ist ein Notrecht gegenüber Regierenden, deren Herrschaft sich – bis zum Völkermord – gegen das eigene Volk richtet. Gehorsam gegenüber diesen Figuren bedeutet Sünde.

    Heinrich Schmitz

    Armerika ist keine souveräne Demokratie?

      Mighty Quinn

      … da antworte ich zuerst mit Heinrich Schmitz: Whataboutism? … näheres – aber – lesen Sie, u.a., im GG, Art 120.

        Fred Groeger

        Ich habe ja fast Angst zu fragen, @Mighty „Prepper“ Quinn, aber was willst du jetzt mit Artikel 120 GG?

        Das ist der Artikel der sich mit den Kriegsfolgekosten beschäftigt?

          Mighty Quinn

          … Fred Groeger, deine Einlassung ist nicht zum Thema. Ich wäre dafür, du schreibst eine eigene Kolumne zur ‚amerikanischen‘ Demokratie. Mögen die Kolumnisten deine Verbannung aufheben. Ich wäre dafür.

          GG, Art 120 ‚(1) Der Bund trägt die Aufwendungen für Besatzungskosten …‘ [sic!] … wenn du das nicht verstehst, hat es auch keinen Sinn ’s dir zu erklären.

          Deine – wiederholt – schrägen Vorhaltungen mir gegenüber, kannst du dir klemmen.

          Mighty Quinn

          … wobei du mit deinem schrägen Anwurf, mir gegenüber, bestätigst – JA; die ‚BRD‘ ist eine Diktatur.

          Fred Groeger

          Du schreibst wieder einen wirren Quatsch, @Mighty Quinn.

          Natürlich hat die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des „Dritten Reichs“ auch die Kriegsfolgekosten, Entschädigungen und Besatzungskosten tragen müssen.

          Das hat aber nichts mit „Die BRD ist eine Dktatur!1!“ zu tun, sondern damit, dass man eben die Rechtsnachfolge des Kriegsverursachers übernahm.

          Es hat auch keinen Einfluß auf den Status der BRD als Demokratie, da auch dieser Artikel im Grundgesetz vom Parlamentarischen Rat ausgearbeitet wurde, von den Länderparlamenten, bestehend aus gewählten Volksvertretern, dann angenommen wurde.

          Und gerade die Besatzungskosten waren ziemlich schnell Mumpitz, weil eben das Gebiet der BRD von den Westallierten versorgt wurden.

          War eine von deinen Konservendosen im Prepperkeller schlecht?

          Fred Groeger

          Und was jetzt eine Kolumne von mir über das demokratische System der USA angeht, @Mighty Quinn:

          Ich habe keine Lust. Du begreifst ja nicht mal unsere Demokratie, was bringt es da, dir die US-amerikanische Demokratie zu erklären, deren Förderalismus und Wahlsystem etwas anders funktionieren?

          Es ist aber eben trotzdem ein souveräne Demokratie.

          Und weil du das immer noch nicht verstanden hast:

          Ich schreibe nie wieder auf für „DieKolumnisten“, weil ich mit den Mackern Sören Heim und Jörg Phil Friedrich nichts zu tun haben will und deren Seite keine Texte liefern will.

          Mighty Quinn

          … das GG und Fred Gröger bestätigen; die ‚BRD‘ ist – 2019 [sic!] – alliiertes Besatzungsgebiet. Souveräne Demokratie sieht anders aus.

          … und hier nun, Fred Groeger, entschlüpfte meinem Hamster ein Bäuerchen, wirklich; … ‚Und gerade die Besatzungskosten waren ziemlich schnell Mumpitz, weil eben das Gebiet der BRD von den Westallierten versorgt wurden.‘

          … vielleicht war mein Vorschlag, dir eine eigen Kolumne zu gönnen voreilig. Aber bitte, um es mit Magnus Carlson zu sagen; ‚Sie haben ein Recht auf ihre dumme Meinung‘.

          Mighty Quinn

          … FRED, die Demokratie in den USA funktioniert wie Walter Ulbricht es 1945 formuliert hat; ‚es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.‘

          ‎… oder so; ‚If voting changed anything they would make it illegal.‘ Emma Goldman.

          (Although often attributed to Goldman, there is no evidence that she made such a statement. The earliest known example of this quote is from a 1976 newspaper opinion piece by Robert S. Borden, in „Voting is Dishonest and Fraudulent“, The Sun {Lowell, Massachusetts} (24 September 1976), p. 7: „If voting could change anything, it would be made illegal“. According to Snopes.com, this and similar statements are also incorrectly attributed to American humorist Mark Twain or American peace activist Philip Berrigan.)

          … damit kein Irrtum aufkommt, die amerikanische Verfassung zählt für mich als eine der besten überhaupt. Schon allein wie Sie beginnt: ‚We the People of the United States …‘

          Das hat was von EINIGKEIT und RECHT und FREIHEIT – oder?

          Fred Groeger

          @Mighty Quinn:

          Der Zusammenhang zwischen Artikel 120 GG und das die Bundesrepublik angeblich 2019 noch „Besatzungsgebiet“ wäre, ist selbst bei deiner geistigen Verwirrung nicht nachvollziehbar.

          Und nochmal: Ich will nicht mehr für „DieKolumnisten“ schreiben. Ich schreibe nicht mehr für eine Kolumnenseite, auf der solche Typen wie Sören Heim und Jörg Friedrich sich als Bosse aufspielen wollen.

          Ich würde für die ja auch ums Verrecken nicht arbeiten, also werde ich mir auch nicht von diesen Möchtegerns Vorschriften machen lassen, wenn ich denen umsonst Texte liefere.

          Da habe ich andere Hobbies und wenig Masochismus in mir.

          Fred Groeger

          Versuche doch lieber mal zu erklären, was dich denn nun an der US-Demokratie oder am US-Wahlrecht stört, statt bloß sinnlos verkürzte Zitate und Sprüche nachzuplappern, Mighty Quinn?

          Dass du ausgerechnet Walter Ulbricht zitierst ist ja auch schon wieder Realsatire.

          Und was hat das eigentlich alles mit der Kolumne zu tun?

          „Prepperst“ du schon weil du die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland oder der USA nicht verstehst?

          Mighty Quinn

          … nun gut, ich kann von Heim und Friedrich nix schlechtes schreiben. Sie lassen hier ’ne Menge anderer Meinungen zu. Vielleicht ist es dein ‚Ton‘ anderen gegenüber?

          Fred Groeger

          Heim und Friedrich schreiben ja auch nichts, was rechtsextreme Trolle wie dich anzieht, @Mighty Quinn. 😀

          Erklärst du nun, was deine fehlende Bildung bezüglich der US-Demokratie oder der Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland mit der „Prepper“-Sache zu tun hat?

          Schreibe doch mal, wie eine Demokratie deiner Meinung nach sein müsste, damit sie deinen Ansprüchen genügt?

Gabriele Flüchter

Guten Tag, ich war Beamtin und bin es nicht mehr, als ich es aber noch war, ich war nicht bei der Polizei, sondern in der Schule, wähnte ich mich, Probandin geworden zu sein, Probandin eines Milgram-Experiementes. Das Milgram-Experiment kannte ich noch gar nicht damals, und ich erkannte meine Rolle damals nicht, später erst lernte ich mehr über dieses Experiment, auch der Tagesspiegel erklärte es. Als Lehrerin sollte ich Schüler bestrafen, wenn sie etwas falsch machten, fiel die Strafe wie gewünscht aus, bedeutete dies Wohlwollen für mich, fiel sie schwächer oder ganz aus, stiftete ich Unfrieden und Unfrieden darf eine Lehrkraft nicht stiften.
Aufgrund dieses Unfriedens wurde ich beraten, „Daumenschrauben“ wurden fester gedreht, dies bekam ich auch angekündigt. Ich selbst drehte aber die Daumenschrauben nach unten nicht fester und stiftete also Unfrieden – wer als Lehrkraft Unfrieden stiftet wird nicht erschossen, wie bei Sergeant Prepper – sondern beseitigt wie bei Servant Better, denn Servant Better hat gelernt, so ein Grobklotz wie Prepper, ist der niemals, im Gegenteil, Servant Better geht es nur um den Frieden. So kam ich also fort an einen anderen Ort.

Mich hatte das Urteil, eine Unfriedenstifterin zu sein, persönlich fertig gemacht, meine Nerven lagen blank, ich klammerte mich an einen kleinen Kranich, Symbol des Ortes, an den mit Servant Better brachte. Servant Better ist überaus freundlich, nicht wie der plumpe Prepper, ich möchte doch sagen, wie schön es wäre am neuen Ort. Ich sagte es nicht, denn ich kann nichts mehr schön finden, wenn ich das Urteil „Unfriedenstifterin“ an mir tragen muss.

Dann hatte Servant Better auch keinen Ort für mich – aber: Servant Better ist geduldig und wartete, bis ich selbst einen Ort vorschlug, einen alten Ort – Servant Better wäre ja nicht better, wenn er nicht Wünsche zu erfüllen verstehte – oh doch, das macht er schon der Servant Better.

Mit letzter Kraft versuchte ich mich zu bettern, aber, ich kann mit Daumenschrauben keinen Frieden stiften, weil aber das mit der „Unfriedenstifterin“ des Servant Better auch nicht mehr reichte und er seine Begründung für meine Nichtsnutzigkeit nochmal verbettern wollte – Servant Better verbettert sich auch selbst regelmäßig – wurde ich auch noch „faul“ –

Better wäre ein Unmensch, würde er es sich verbetten, mir das Krankenbett zu empfehlen – so landete ich dort.

Herr Schmitz, was Sergeant Prepper angeht, stimme ich Ihnen voll zu – aber was soll der grobklotzige Depp seine Munition an mir vergeuden, hat doch schon der friedliebende Servant Better ganze Arbeit geleistet – ein rettender „Engel“ am rechten Ort.

Servant Better ist übrigens weder ein Angeber (Namen sind unwichtig) und auch kein Freund von Bekennerschreiben – Bescheidenheit und Anonymität sind Betters Zier.

Wäre der NSU nicht aufgeflogen, läge ich vielleicht auch schon irgendwo und wäre Teil eines Paulchen Panther Videos.

2011 war Ende für den NSU und für mich ging die Geschichte, zum Glück, so weiter, dass ich heute noch vor mich hin schreiben kann, entfernt worden bin ich wiewohl auch, viel eleganter und irgendwie akzeptabler als dies der NSU jemals hingekriegt hätte. Meine Entfernung verlief mühevoll und absolut rechtsstaatlich, das ist schon eine andere Qualität als „Peng und weg“

Trotzdem, von Beamten möchte ich keine „Daumenschrauben angelegt“ bekommen, wie ich sie angelegt bekam. Ich vertrage so etwas nicht und ich lerne sowas auch nicht.

Servant Better aber hat nicht nur von den Nazis gelernt, sondern auch von der DDR, die verlieh den Preppers diesen Hauch von geschmeidiger Eleganz, der mich anatmete.

Ich möchte nie wieder Beamte treffen, wie ich sie traf – ich hätte niemals geglaubt, dass es solche Beamte geben könnte in meinem Land.

Gabriele Flüchter

Gerade habe ich ein Interview verfolgt, welches Raul Krauthausen mit Hubertus Siegert führte über dessen Filme „Kinder der Utopie“ und „Beyond Punishment“ und wegen „Beyond Punishment“ bin ich noch einmal hier.

Herr Schmitz schreibt darüber, dass solche Beamte, die Mordbereitschaft hätten, aus dem Dienst entfernt werden müssten, dann ja aber nun einmal immer noch mit ihrer Mordbereitschaft durch das Leben gingen und umso mehr eine Gefahr für Menschen darstellen.

Man müsste also irgendwie, ob es angenehm ist oder nicht, mit diesen Leuten weiter Kontakt halten, sie weiter einbinden, auch wenn es schwer fällt, am besten, bevor sie wirklich morden.

Im Film „Beyond Punishment“ wird dieser Kontakt mithilfe des Filmemachers erst nach der Tat, und dann zwischen Opfern und Tätern hergestellt oder herzustellen versucht, dann ist es natürlich sehr spät, es konnte durch die Kommunkation etwas gezeigt, aber nichts mehr verhindert werden.

Was aber wäre nötig, um vorher, von Seiten der Exekutive, nicht nur von Seiten von Filmemachern, zu tun, um diese aus dem Dienst entfernten Beamten, weiter kommunikativ einzubinden?

Von mir selbst, ich wurde auch aus dem Dienst entlassen, aus gesundheitlichen Gründen, kann ich sagen, dass die Kommunikation abrupt abgebrochen ist auf Seiten der Behörde, als ich Zurruhe gesetzt wurde, ich hätte noch auf eine offizielle Verabschiedung bestehen können, aber darüber hinaus war alles zu Ende.

Ich habe das kompensiert, indem ich zu Schreiben anfing, nach etwa 2 Jahren, als ich überhaupt wieder irgendwas mit meiner Sprache tun wollte, es ist also ohne Gewalt in meinem Fall vonstatten gegangen.

Trotzdem dachte ich auch hin und wieder, warum interessiert sich ein Staat, sobald er mich zur Ruhe setzt, gar nicht mehr für mich als Typen, sondern nur noch in Euro?

14 Jahre habe ich ihm gedient, ich habe viele Erfahrungen, ich habe viel zu berichten, aber niemand will es wissen – ist das nicht komisch, eigentlich?

Vielleicht könnte man die Idee des Films „Beyond Punishment“ als politische Anregung nehmen, das Zusammenleben mit „Ausgeschiedenen“ irgendwie konstruktiver zu gestalten.

Ich hätte Hoffnung, dass das helfen könnte gegen die Machtübernahmen von Prepper.

Gabriele Flüchter

Wie ich bereits schrieb, war der gemeinsame Teil zwischen mir und der Behörde, meinem Arbeitgeber, dann recht abrupt zu Ende.
In den zwei Jahren, bevor ich an zu schreiben fing, hing ich ganz schön in der Luft. Das amtsärztliche Gutachten bescheinigte mir mittelschwere Depressionen, eine anhaltende seelische Störung und entließ mich auf Nimmer Wiedersehen. Es war sehr kompliziert, irgendwie alleine damit klar zu kommen, ich hatte bis dahin in meinem Leben eher wenig mit Ärzten zu tun, erst in den letzten zwei Jahren vor der Zurruhesetzung mehr, mit psychotherapeutischen Ansprechpartnern niemals vorher.
Was macht man da? Ich suchte rum, dachte auch daran, einfach nichts zu machen, aber einfach nichts machen, schien mir dann auch zu wenig. Ich geriet an eine Psychotherapeutin, die mich beleidigte, ich könne nicht lieben und nicht arbeiten, was ich denn überhaupt wolle? Mit sowas muss man dann eben auch noch klar kommen. Dann fand ich eine freundlichere Psychotherapeutin, die eine Psychoanalyse über 40 Sitzungen beantragte bei der Beihilfe, von da wurden nur 20 Sitzungen bewilligt, was auch mich selbst nervös machte – 20 ist nicht viel, wenn es einem lange schon nicht gut geht.
Ich stand dann wieder alleine da – ungeholfen, sozusagen. Das ist schon ganz schön schwierig gewesen. Wenn ich nicht engen Kontakt zu meiner Mutter, meiner Schwester und meiner Cousine gehabt hätte – ich wäre wirklich vollkommen alleine gewesen.
Wenn man so als Autodidakt irgendwie mit alten und neuen seelischen Schwierigkeiten bei sich selbst umgehen muss, ich darf sagen, das ist doch heikel, letztlich.

Ich möchte deshalb hier meinen Kommentarenlauf mit dem dringenden Appel an die Gesundheitspolitik und an die Arbeitsmarktpolitik verbinden, doch daran zu denken, dass auch ein nicht mehr zu gebrauchender Arbeitnehmer vielleicht noch etwas Hilfe benötigt nach einer Entlassung, Zurruhesetzung.

Das wäre schon alles etwas einfacher gewesen und menschlich einfach auch schöner.

Ronald Schubert

Diese Prepper sind in meinen Augen nur kriegsverrückte Spinner, denn ich will auf gar keinen Fall einen Atomkrieg überleben und mich dann um Büchsen streiten müsen. Beim Erstschlag verdampfen und gut!

Gabriele Flüchter

„Kriegsverrückte Spinner“? Ich erinnere gut, wie ich mich wunderte, als mein früherer Bundesinnenminister – ein Beitrag von Heinrich Schmitz für Tagesspiegel Causa regte 689 Kommentare zum Thema „Leitkultur“ an (an der hohen Zahl bin auch ich nicht ganz unschuldig) – empfahl, einen Vorrat an lebenswichtigen Sachen anzulegen, denn man könne ja nie wissen, was käme, Terrorismus und so. Wie meistens blieb der Bundesinnenminister eher vage, es war ihm aber wohl wichtig, dass die Bevölkerung sich vorbereite.

Das war 2016, mir war mulmig, ich dachte: Was ist denn los? Soll es denn Krieg oder sowas geben? Ich fand das einfach komisch, aber Thomas de Maiziere irritierte mich ja öfter mal, mit seine Idee zur Leitkultur, mit seinem Überwachungskamera-Test am Bahnhof Südkreuz und auch mit seiner „Prepper“- Empfehlung.

Unsichere Menschen orientieren sich oft an jemand „oben drüber“ – ich halte es für denkbar, dass sich der ein oder andere „Spinner“ eben doch auch am Bundesinnenminister orientiert haben könnte bzw. an der Bundesregierung, die am 24. 08. 2016 bekanntgab, eine neue Konzeption „Zivile Verteidigung“ beschlossen zu haben, der neue Beschluss löste den alten Beschluss von 1995 ab.

Die Konzeption von 2016 wäre auch Vereinbarung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung gewesen.

„Bei dem Konzept geht es um Vorsorge. Diese wird vor allem vom Staat gewährleistet“ habe der Bundesinnenminister Thomas de Maiziere bei der Vorstellung der Konzeption betont.

Wie wird diese „vor allem vom Staat geleistet“? Dazu hätte ich gerne eine aktuelle Bestandsaufnahme der Bundesregierung. Dann ist es so, dass ich die Bundesregierung fragen möchte, wie den Bürgerinnen und Bürgern geholfen werden kann, die sich gerne einen Vorrat für 10 Tage anlegten, dafür habe weder Mietflächen bezahlen können, noch überhaupt Ersparnisse ansammeln können für solche Vorratseinkäufe.

Persönlich bin ich nicht der Typ für sowas, aber wenn die Bundesregierung selbst hier eine Aufgabe erkennt, dann möchte ich eben auch von ihr wissen, wie sie sich das vorstellt und was sie dazu gemacht hat seit der neuen Konzeption „Zivile Verteidigung“ von August 2016.

Rainer Seifert

Polizeischüler aus arabischen Großfamilien und Militärangehörige aus moslemischen Herkunftsländern sind zum Glück wieder ein anderes Thema. Alles kein Problem sofern deren Gesinnung stimmt.

Gabriele Flüchter

Wo kommen „Gesinnungen“ her? Und wie werden „Gesinnungen“ stimmig? Sie kommen, denke ich, aus Erfahrungen, Lernprozessen, persönlichen Überzeugungen. Ich bin fest davon überzeugt, dass, wer vom Beginn seines Lebens selbstverständlich mit allen Menschen und allen Verschiedenheiten dieser Menschen lebt und erfährt, dass es Spielregeln gibt, die auch gelten, wenn man sie mal braucht, dass derjenige eine gute Chance hat, sich für eine menschenfreundliche, rechtsstaatliche „Gesinnung“ zu verantworten.
Ein Staat kann eine „Gesinnung“ aber nicht befehlen oder voraussetzen, wenn ich Polizist bin oder Lehrer oder Richter, dann ist meine „Gesinnung“ im Prinzip egal für mein Amt, es ist aber nicht egal, ob ich inklusiv arbeite oder nicht, inklusiv heißt, dass ich mich an das Schulgesetz halten muss, egal ob dann auch Leute was zu sagen haben könnten, die mir nicht gefallen, die Gremien und die friedliche Gremienarbeit mit allen, die sich dafür interessieren, hat man zu akzeptieren, ohne Wenn und Aber. Es muss auch selbstverständlich sein, dass ich mich beschweren darf, wenn es hier Probleme gibt – und das hatte ich getan, es hatte keine Schulkonferenz gegeben an der Schule, jahrelang nicht.
Es ist mein gutes Recht, mich zu beschweren, denn man versagt mir mein Wahlrecht hier.

Wenn ich in einem Gespräch von einer Amtsperson plötzlich privat angegriffen werde, wenn mir in einem Gespräch mit einer Aufsichtsperson plötzlich zynisch vorgeschlagen wird, ich solle doch Senatsmitarbeiter anschreiben, wenn mir der Hass einer Amtsperson entgegenschlägt, die es einfach nicht schafft, zu akzeptieren, dass ich, Jahre früher, eine Beschwerde an einen Senator gerichtet hatte, dann ist dies jenseits des Amtes, es ist privater Zorn, der sich hier Bahn bricht und hier nicht hin gehört. Die Gesinnung darf eben keine Rolle spielen, der Beamte, der mir mein Leben schwer machte, konnte genau davon nicht absehen, von Gesinnungsfragen und von persönlichen Präferenzen.

Meine Beschwerde war völlig berechtigt gewesen, der Beamte hasste mich dafür, ich wurde meines Lebens nicht mehr froh mit diesem – an ihm vorbei kam ich nicht, er war schon 2. Instanz, da erschöpfen sich meine Möglichkeiten. Ich hatte „gepetzt“ und er konnte sich nicht beherrschen, seine Schikane empfand ich als gnadenlos.

Demokratie und der Rechtsstaat sind eher einfach zu erhalten, Spielregeln akzeptieren und damit leben können, dass andere Menschen andere Meinungen haben und ab und an auch andere Fehler machen. Wenn das im Beamtenapparat nicht gut funktioniert, hat der Rechtsstaat ein massives Problem. Wer sich beschwert, muss sich gegebenenfalls sehr warm anziehen. Für mich hat es nicht gereicht, ich schaffte den ganzen Stress nicht.

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