Von inneren und äußeren Gesetzen – Meine ganz eigene Wahlempfehlung für den Osten

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Kürzlich stellte mir meine kleine, siebenjährige Tochter zum zweiten Mal mit all ihrem kindlichen Ernst eine Frage, die ich ihr beim ersten Mal – zu unser beider Unzufriedenheit – nur vage beantworten konnte. Nun bekam ich eine zweite Chance, nahm einen erneuten Anlauf und erklärte ihr deshalb, was ich mir unter inneren und äußeren Gesetzen vorstelle.

Entschuldigen – wofür!?

Ihre Frage ging so:

Mama, was ich die ganze Zeit schon überlege – warum musst du mir für die Schule eine Entschuldigung schreiben, wenn ich krank bin. Da kann ich doch gar nichts dafür!

Eine leichte Empörung schwang in ihrer Stimme mit, die ich sehr gut nachempfinden konnte. Vom Nachempfinden allein hat man allerdings als halbwegs anspruchsvolle Mutter noch keine zufriedenstellende Erklärung parat. Also begann ich so kindgerecht wie möglich zu erklären, dass Menschen einen eigenen Willen, eine innere Stimme, ein individuelles Wesen haben und von daher Dinge schief laufen können („Du weißt, wenn die Mama unter Zeitdruck immer so schnell gestresst ist und dann laut und nervig und ungerecht wird und sich entschuldigen muss!“ Kind kichert und nickt! Ok. Verstanden).

Und dass es aber auch Vereinbarungen gibt, die Menschen miteinander treffen, die für viele Menschen gelten und eher im Außen festgelegt sind und nicht aus einer bestimmten Person allein herauskommen. Man stellt dann Regeln für alle auf oder man verspricht anderen Menschen etwas, woran sich dann viele halten sollen. So hätten wir Eltern dem Schuldirektor zum Beispiel versprochen, dass unsere Kinder jeden Morgen spätestens um acht Uhr in der Schule sitzen, damit der Unterricht beginnen kann. Kind nickt. Und ist zufrieden. Es gibt nun zwei Arten von Entschuldigungen in ihrer Welt. Mutter freut sich – über ihr aufmerksames Mädchen und über den kommunikativ gelungenen Moment und denkt weiter nach.

Inneres und äußeres Gesetz. Was mich zur Zeit und länger schon am meisten beschäftigt, ist der Rechtsruck in unserem Land und insbesondere die unrühmliche Rolle, die meine ostdeutschen Landsleute dabei spielen, wenn sie diversen – vornehmlich westdeutschen, herzbetonierten – Politprofis und Agitatoren auf den Leim gehen. Ich versuche, wie das so meine Art ist, zu verstehen um nicht zu hassen.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor Scham geheult habe, als Dunja Hayali in Erfurt auf dem Domplatz meine Thüringer Landsleute interviewte und diese überhaupt kein gutes Bild abgaben. Um es mal etwas neutral auszudrücken. Ich schämte mich ähnlich schlimm wie damals 1990, als ostdeutsche Menschen scharenweise in den Westen rannten um ihre 100 Mark Begrüßungsgeld abzuholen. Haben die denn gar keinen Stolz? Fragte ich mich als pubertierende, sozialistisch indoktrinierte 15-Jährige voller echt gefühlten Herzschmerzes mit der entsprechenden Portion Drama, wie es sich für eine Jugendliche gehört.

Wahlempfehlung

Und nun zu meiner Wahlempfehlung für den Osten!

Ich würde, wenn ich könnte, gern jeden mir bekannten Menschen im Osten bitten, liberal zu wählen. Also die vielgescholtene FDP, deren Chef Christian Lindner so gern verlacht und – durch sich auf dem Silbertablett darbietende Projektionsmöglichkeiten, wie mir scheint in Ost wie West – haufenweise missverstanden wird. Gesamtdeutsch gesehen, würde ich die FDP nicht empfehlen, sie wäre auch nicht meine persönliche Partei der Wahl.

Aber. Wenn ich über die Idee von innerem und äußerem Gesetz nachdenke, dann weiß ich intuitiv, dass wir den Rechtsruck in Deutschland wegen 1989 an der Backe haben. Keine Ahnung, warum ich das weiß, Intuitionen sind eben genau deshalb „nur“ Intuitionen, weil sie in der Regel keine handfesten Erklärungen im Gepäck mitliefern. Dieses „nur“ regt mich allerdings sehr auf, weil die darin versteckte Abwertung eine weit verbreitete Folge von gefährlicher, systematischer Missachtung dieser wertvollen menschlichen Informationsquelle ist.

Wenn ich versuche, mich den Gründen für diese Intuition zu nähern, dann kann ich nur auf meine ganz persönliche Lebensgeschichte verweisen – unser intuitives Wissen, das häufig unsere Emotionen und Handlungen viel stärker beeinflusst als jedes rationale Nachdenken, speist sich immer aus der je individuellen Lebensgeschichte! Mit Zähnen und Klauen habe ich über Jahre „meine DDR“ als gute alte Heimat und als Prachtexemplar liebevoller Kindheitserinnerungen verteidigt gegen jeden Wessi, der in meinen Augen „nichts verstand“, weil er die DDR nicht – hört, hört! – VON INNEN kannte.

Man könnte also vielleicht spekulieren, dass die tief empfundene, in meinem Fall pubertär und familiengeschichtlich noch verstärkte Scham von 1989/90 und jede weitere später erlebte Situation von Herabsetzung und ein als ungerecht empfundener Umgang mit „dem Osten“, auf eine Art inneres Gesetz getroffen ist, das die vielgescholtene DDR-Ideologie dort (dankenswerterweise!) hinterlassen hatte: „Sei loyal mit den Schwachen und Unterdrückten! So und nur so wird eines Tages Frieden weltweit zu schaffen sein!“

Nun habe ich in meinen Jahren im Westen sehr viel über den Aspekt der äußeren Gesetze gelernt, warum sich Menschen Regeln geben und daran festhalten und was das mit der Würde des Individuums zu tun hat und ich habe – mit Widerstreben, aber dann doch! – das Gute am Rechtsstaat erkannt und habe – mit Schmerzen, aber dann doch! – akzeptieren gelernt, dass meine kindlich-gefühlt „tolle“ DDR politisch gesehen eine menschliche Katastrophe war und dass nicht überall wo demokratisch drauf steht auch Demokratie drin ist.

Und wenn ich mir nun vorstelle, dass viele meiner Landsleute ähnliche Wege gegangen sind wie ich, wenn ich denke, dass jede einzelne der vielen, vielen wirklich offensichtlichen und manchmal himmelschreienden Ungerechtigkeiten und Zynismen des Westens in vielen Menschen über viele Jahre auf so ein ideologisch tief verankertes inneres Gesetz getroffen sind, dann gelingt es mir recht gut, das offensichtlich Dumme und Rohe an dem Rechtsruck wenigstens nicht zu hassen. Zumindest was die daran beteiligten ostdeutschen Akteure betrifft. Vielleicht verteidigen die, die jetzt lauthals AfD wählen wollen, ja eine Art inneres Gesetz, eine „gefühlte Wahrheit“ nach notwendiger Solidarität mit den Schwachen. Warum diese Menschen solch ein Gesetz dann allerdings nur für die eigene Nation oder gar Rasse gelten lassen wollen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft und Kenntnis.

Ein Gedanke fehlt nun noch zur Begründung meiner in diesem Kontext vielleicht seltsam anmutenden Wahlempfehlung: Sowohl als Psychologin als auch aufgrund meiner eigenen Lebensgeschichte weiß ich und bin felsenfest davon überzeugt, dass es keine sinnvolle, tragende und stabile Anerkennung und Akzeptanz äußerer Gesetze und Autoritäten gibt und geben kann, solange Menschen nicht die individuell erlebte und auch körperlich tief verinnerlichte Erfahrung (Stichwort: Embodiment) gemacht haben, dass sie ihrem eigenen inneren Gesetz folgen dürfen und dass der sie umgebende Staat dieses Recht schützt. Und ich meine, genau diese “innere Not”, dies nie wirklich erfahren zu haben, steht bei vielen rechts wählenden Menschen hinter dem für sensible Ohren nur schwer zu ertragenden und durchaus gruseligen Ruf nach „mehr Recht und mehr Ordnung“!

Nur vom Ich zum Wir, nie andersrum

Deshalb heißt meine Wahlempfehlung speziell für den Osten: Liberalismus. Und Liberalismus, wie ich ihn verstehe, ist nichts anderes als die penetrante Verteidigung der individuellen Freiheit gegenüber bevormundenden Autoritäten. Weil wir keine Maschinen, sondern Menschen sind und weil wir genau deshalb einer natürlich wachsenden inneren Ordnung unterliegen und den zweiten Schritt nie vor dem ersten tun können.

Nur ein starkes Ich passt zu einem sinnvollen Wir!

19 comments
kague

nun hat ja der Wirtschaftsliberalismus der FDP mit wirklichem Liberalismus (Freiheit) leider genauso viel zu tun wie mit Solidarität mit den Schwachen: nämlich überhaupt nichts. Die FDP wird der Freiheit des Steuerminimierers jederzeit den Vorzug geben vor der Freiheit von Armut und Ausbeutung.

    Anja

    Da haben Sie wohl Recht. Genau deshalb führt der Link im Text ja auch nicht zu einem Artikel über Wirtschaftsliberalismus.

    Und es hat ja auch Gründe, dass meine eigenen parteipolitischen Präferenzen anders gelagert sind. Ich selbst schürfe ganz gern noch ein bisschen tiefer, wie beispielsweise auch diese beiden Herren hier:

    https://youtu.be/15EBH4EodZ0

Landsmensch

@kague
Meine volle Zustimmung.

„Und dass es aber auch Vereinbarungen gibt, die Menschen miteinander treffen, die für viele Menschen gelten…“
So ist es leider, diese Vereinbarungen (die ohne Teilnahme und Mitwirkungsmöglichkeit der meisten Menschen getroffen werden) gelten dann auch nur für viele und meisten von Ihnen und eben nicht alle, die Differnz hat dann unerklärliche Immmunität u.a. Ausnahmen.

„…scharenweise in den Westen rannten um ihre 100 Mark Begrüßungsgeld abzuholen. Haben die denn gar keinen Stolz?“
Wahrscheinlich beruhte es auf der intuitiven Fähigkeit, welche erahnen ließ, dass dies das einzige Geld ist, was sie von diesem Staat geschenkt bekommen.

„….dass meine kindlich-gefühlt „tolle“ DDR politisch gesehen eine menschliche Katastrophe war und dass nicht überall wo demokratisch drauf steht auch Demokratie drin ist.“
Das nicht überall d. drin ist wo es drauf steht ist den meisten „Landsleuten“ spätestens seit ca. 1995 klar. Ich verstehe jetzt hier den Zusammenhang mit der DDR nicht. Falls er beabsichtigt war, hätte der Satz besser heißen sollen: demokratisch drauf stand auch Demokratie drin war.

„…das offensichtlich Dumme und Rohe an dem Rechtsruck…“
Ja das nennt sich Toleranz und Meinungsfreiheit. Der Rechtsruck ist dann wohl die Reaktion auf den vermeintlichen Linksruck der CDU, welche nun die führende Rolle bei sozialer Politik, Humanismus und Fürsorge für überflüßiges Humankapital übernommen hat. Sarkasmus aus. Habe keine sinnige Def. für Rechtsruck gefunden.

“ …gemacht haben, dass sie ihrem eigenen inneren Gesetz folgen dürfen und dass der sie umgebende Staat dieses Recht schützt.“
Dieser Satz sollte noch als Schlußsatz in jeder Eingliederungsvereinbarung stehen, um deren Wert noch weiter zusteigern. Die Realität im Osten ist doch noch etwas anderes als im Westen, es ist lehrreich zu sehen wie schnell man das nicht mehr erkennen kann, von da drüben.

„…das Gute am Rechtsstaat erkannt und habe…“
Oh lassen Sie mich an Ihren Erkenntnissen teilhaben. Meine Erfahrungen mit dem Rechtsstaat (Gerichten, Richtern, Rechtsprechnung) bekam schon 1993 die ersten Risse, als ich versuchte von einem „armen“ Wessiauftraggeber mein erarbeitetes Geld einzuklagen. Mittlerweile kamen soviele Risse dazu, das ich nun 95% des Anstrichs abgeblättert sind. Aber solange man mit den Finger noch auf andere zeigen kann und ruft haltet den Dieb ist doch alles liberal.
Der Rechtsstaat sollte doch eigentlich Grundrechte sichern, nun wahrscheinlich gibt es neben den nachgeschalteten Ausnahmereglungen, auch viele individuelle Ausnahmen, so ist jedenfalls hier die Realität.

Ich wähle nicht die AfD, weil sie keine A für D ist , das hat sie mit der FDP gemein, genauso wie den Wirtschaftsliberalismus und die Verachtung gegenüber dem überflüssigen Humankapital, das AfD wählt und viel zu spät erkennen wird, das sie wiedermal, gelinde gesagt, danebenlagen. Der Rechtsruck nennt sich in USA Patriotismus, in Frankreich und dem Rest der EU anders, aber eins ist überall gleich, eine unverhältnismäßige Zunahme des Rechtsrucks ist immer Ursache des Versagens von der nicht vielen Menschen die glauben sich nicht an Vereinbarungen halten zu müssen.

    Anja

    Ihre Antworten zeigen sehr schön, dass wir als Gesellschaft über (unterschiedliche Vorstellungen von) Demokratie sprechen müssen. Ich nehme an, dass wir beide der Meinung sind, dass ZUERST die Grundbedürfnisse ALLER Menschen gesichert sein sollten, ehe irgendein Luxusbedürfnis rechtlich abgesichert wird?

    Bringen Sie Ihre Gedanken und Erfahrungen doch bitte ein!

      Anja

      … und schauen Sie sich gern oben verlinktes Video an!

      Landsmensch

      Wir als Gesellschaft sollten darüber sprechen und wie im ständig weiter zensierten Inet, auf Wahlveranstaltungen, bei M.Lanz …? Man sollte erstmal das darstellen wie es per Def. beschrieben ist ohne Ausnahmen für wenige und manche, siehe Urteil der rechtsstaatl. Demokratie zu C. Lagarde.
      „(unterschiedliche Vorstellungen von) Demokratie “
      Zum Glück gibt es je in D für (fast) alles Definitionen, die Def. von Demo ein paar m.E. wichtige Auszüge:
      -> Staatsform mit einer Verfassung, die allgemeine persönliche und politische Rechte garantiert, mit fairen Wahlen und unabhängigen Gerichten Herrschaft einer kleinen Gruppe von Machthabern. Im Gegensatz zum totalitären Staat haben …. keine ausgeprägte Staatsideologie und tolerieren gewisse Freiheiten (z.B. wirtschaftliche und kulturelle), solange ihre Herrschaft nicht gefährdet wird. Das wichtigste Ziel …. ist die Erhaltung der eigenen Macht und die persönliche Bereicherung auf Kosten des Staates bzw. seiner Bevölkerung.<-
      Quelle:http://demokratie.geschichte-schweiz.ch/definition-demokratie.html

      Es geht um "Grundrechte", woher nun plötzlich "Luxusrechte" kommen erschließt sich mir nicht.

      "Und es hat ja auch Gründe, dass meine eigenen parteipolitischen Präferenzen anders gelagert sind."
      Also soll der Osten auf Ihre Empfehlung FDP wählen, aber Ihre parteipolitischen Präferenzen gehen in eine andere Richtung.

      Entschuldigung, aber was mich betrifft, bin ich laut der Volksvertreterin von den Laien, eher ein Teil der "bildungsfernen" Bevolkerungsgruppe. Hab zwar in der DDR Abi gemacht und kenne im Gegensatz zu allen Klimagläubigen und CO2-Verstehern die Photosynthese, aber manchen Gedankensprüngen kann ich dann doch nicht folgen.
      Für zwei Stunden Video fehlt mir momentan die Zeit, da ich morhgen wieder fit für meinen Mindestohnjob sein muss, der mir wenigstens einen Sprung über die Mauer, ähm einen Urlaub im Ausland finanziell nicht aufdrängt. Ich hoffe Sie sehen mir nach, dass ich aufgrund meines Werdens unter sozialisirenden Bedingungen einer Kollektivgesellschaft gewisse Defizite davon getragen habe im Gegensatz zu eine freiheitlich demokr. Wertegemeinschaft. Übrigends war ich bei der NVA und mußte meinen Unrechtsstaat nicht am Hindukusch, in Mali, Bali, Timbuktu oder bald in Stalingrad verteidigen, wir waren nie hinter der Grenze! Ja weil dann alle dort geblieben wären, zum totlachen.

      Gemeinwohlökonomie hat mit der FDP, AfD, SPD, Grünen, CDU den Namen nach schonmal gar nichts zutun.
      " der die Fundamente der kapitalistischen Megamaschine infrage stellt." Das haben andere vor ihnen auch schon gemacht, aber es wird durch die Profiteuere der Megamaschine keinen Wandel geben bis die Maschine auseinanderfliegt oder etwas anderes … passiert.
      Eigentlich sollte unsere Volksvertreter zum Wohle des Volkes z.B. das 2% Diktat für die Rüstung auf 0% fahren, die diktierten Sanktionen gegen Ru sofort beenden usw ….
      Dann sollten die Volksvertreter vllt. mal Zeilen von Haiek lesen und möglichst verstehen und umsetzten, da wären wir einen Schritt weiter.
      Aber dank "Energiewende" werden hier sowieso bald die Lichter ausgehen, es sei denn wir kaufen teueren Atomstrom von den Franzosen und Kohlestrom, möglichst aus lausitzer BK, von den Tschechen.

      So nun haben wir wieder ausführliches Marterial fürs Raster geliefert und gehören spätesten jetzt zu den Pösen.

Micha

Man entschuldigt sich für die Pflichtverletzung der sog. „Schulpflicht“. Da diese im Krankheitsfall nicht schuldhaft verletzt wurde finde ich die Bezeichnung „Entschuldigung“ angemessen.

LG

Fred Groeger

Eine Wahlempfehlung ist immer etwas fragwürdig, aber wenn man eine aussprechen möchte, sollte man den Wahlwerbebeitrag schon irgendwie begründen.

Das fand in der Kolumne jetzt irgendwie nicht statt und es wirkt etwas wirr.

Speziell der Mythos, dass die FDP tatsächlich noch für einen Liberalismus steht, der Individualrechte der Bürger stärken will, scheint auch in Thüringen ein Trugschluss.

Durch die gängige Entwicklung, dass sich die FDP eigentlich immer rechts von der Mitte als „bürgerlich“ verortet und auf die CDU als großen Partner schielt, landet sie meist im rechtsliberalen oder „konservativ-liberalen“ Spektrum.

Bedeutet, dass man trotz vermeintlicher Vorsätze ausgerechnet mit dem koalierend kuscheln will, der als konservativer Partner am ehesten auf Bürgerrechte scheisst.

Aber das lernen Sie auch noch, Frau Boltin.

Trotzdem sicherlich besser schwurbelig FDP zu wählen, als AfD zu wählen.

Anja

Tja, wenn man nicht versteht, dass „bürgerlich“ im Osten 40 Jahre lang ein Schimpfwort übelster Sorte war und dass das vielen AfD-Wählern generationenübergreifend noch in den Knochen steckt, dann versteht man auch diese Kolumne nicht. Es ist ein Plädoyer für die Wiederaufwertung des Bürgerlichen als Voraussetzung des Demokratischen.

Da ich mit Ihrem destruktiven Diskussionsstil schon anderweitig Bekanntschaft machen durfte, hier schon mal eine Ankündigung zu Ihrer Information: Von meiner Seite her wird es bei dieser einen Antwort bleiben.

    Fred Groeger

    Ach Herrje, @Anja Boltin.

    Jetzt fangen Sie wieder mit dem nächsten hohlen Begriff an.

    Danke, ich weiß noch ungefähr wie die DDR war. Die war allerdings doch eher „spießbürgerlich“ mit ein bisschen pseudolinker Soße.

    Innerhalb der DDR galt „bürgerlich“ als Schimpfwort gegenüber der „Nationalen Front“, also genauso die SED, wie auch die Blockflötenvorgänger der heutigen Ost-FDP, die LDPD und NDPD.

    Also ist diese Aussage

    „Es ist ein Plädoyer für die Wiederaufwertung des Bürgerlichen als Voraussetzung des Demokratischen“

    auch wieder fragwürdig und missverständlich, denn mit den „DDR-Bürgerlichen“ hätte es nicht mal eine „Friedliche Revolution 1989“ gegeben.

    „Das Bürgerliche“ sollte man als „Wischi-Waschi“-Begriff eventuell komplett aus politischen Diskussionen verbannen, da „bürgerlich“ alles Mögliche sein kann, von linksliberal, sozialdemokratisch bis rechtsliberal, konservativ.

    In westlichen Demokratien verstehen sich meist eher die Rechtsliberalen und Konservativen selbst als „Bürgerliche Parteien“ auch wenn das am Beispiel Deutschlands eigentlich Unsinn ist, denn auch die SPD und Grünen sind oftmals genauso „bürgerlich“.

    Frau Boltin, selbst die AfD bezeichnet sich selbst als „bürgerlich“ (sie druckt den Quatsch sogar auf T-Shirts)

    Es ist ein alberner, ungeschützter Begriff, den jeder Idiot verwendet, wenn er sich für den Repräsentanten des „Bürgertums“ hält.

    Fazit: So eine richtige Begründung, warum Sie die FDP in einer Kolumne zur Wahl empfehlen gibt es immer noch nicht, sondern wieder Geschwurbel, diesmal mit irgendwas über „Bürgerliches und Demokratie“, das gar nicht so viel Sinn ergibt.

    Wenn Sie Gründe haben die FDP zu wählen, dann wäre das vollkommen okay. Aber eine „Wahlempfehlung“ anzupreisen, ohne wenigstens anzudeuten, was Sie sich angeblich von der FDP für Thüringen erhoffen, ist fast noch dümmer als die meisten Wahlplakate.

    Es wäre soviel besser und wirkungsvoller gegen die rechtsradikalen Vollpfosten der AfD, wenn man bei einem Text mit Wahlempfehlung für irgendeine Partei auch deutlich sagen würde, was die programmatischen Gründe für die Wahl sind.

    Das regt dann wenigstens zu inhaltlichen Diskussionen an, bei denen AfD-Wähler vielleicht auch mal drauf kommen, dass sie gegen ihre eigenen politischen Interessen eine inhaltsleere Partei wegen dummer Parolen wählen.

    Und da schreibe ich Ihnen auch nochmal: Auch die AfD macht Wahlwerbung mit dem Slogan „Bürgerlich. Freiheitlich. Konservativ.“

    Das dies nur Worthülsenschwachsinn ist, wäre ein wichtiges Thema.

      Anja

      Ach, Herr Groeger! Jetzt provozieren Sie mich doch zu einer Antwort. Wenn Sie Ihre Fehler aber auch so auf dem Silbertablett servieren, kann ich wirklich nicht widerstehen!

      Ihre Antwort zeigt genau das, was ich oben schon sagte: Sie verstehen diesen Text nicht.

      Das, was Sie hier als „Antwort“ anbieten, ist in meinen Augen nichts anderes als ein Begriffe-Ping-Pong, der sich einzig in Ihrem Hirn abspielt und nichts mit meinem Text zu tun hat. Mir geht es explizit nicht um programmatische Punkte. Und die, die verstehen wollen/können, erkennen das auch.

      Da Sie aber auch sonst keinen dialogorientierten Kommunikationsstil pflegen, überrascht mich ihr Unverständnis nicht. Das Eine geht quasi immer mit dem Anderen einher: Ohne (gutwillige) Dialogbereitschaft keine sinnvolle Auseinandersetzung. Ohne Auseinandersetzung kein Verstehen. Verstehen ist nicht möglich, wenn man nicht auch mal ne Frage stellt. Zum Beispiel.

      Ist auch ne Art Gesetz. Und Voraussetzung für jede inhaltliche Diskussion.

      Ich kenne diese zu Nichts und wieder Nichts führende Art des Kommunizierens mehr als zur Genüge aus der Ecke linksdogmatischer, „herzhirn-getrennter Reizwort-Masturbierer“ … ich habe mir aus guten Gründen diese Art „Debatten“ abgewöhnt. Auch wenn man sich dadurch den einen oder anderen Schwurbel-Vorwurf einhandelt … was soll’s? Damit kann ich leben.

      Und diesmal werde ich mich wirklich in Disziplin üben.

        Fred Groeger

        Ach, Frau Boltin!

        Wenn Sie es nicht ertragen können, dass man eine inhaltsleere Wahlwerbung für eine spezifische Partei kritisiert, die nur mit ein bisschen Pseudophilosophie und esoterischem „Bürgerlichkeitsgeschwurbel“ aber eben keiner wirklichen inhaltlichen Begründung präsentiert wird, dann müssen Sie jetzt auch nicht über Spott jammern, oder?

        Von mir aus können Sie mich auch „linksdogmatischen, herz-hirn-gertrennten Reizwortmasturbierer“ nennen.

        Von mir aus können Sie mich auch „Linksfaschist“ oder sonstwie betiteln, hoch ist die Schwelle bei Ihnen zu solchen Ausfällen ja scheinbar eh nicht.

        Es ändert aber eben nichts daran, dass Sie eine fragwürdige Wahlempfehlung aussprechen, die Sie offensichtlich nicht mal an irgendeinem realen Punkt des Thüringer FDP-Programms festmachen können.

        So was ist peinlich.

Fred Groeger

Achso:

Und falls Sie Ihrer Tochter nochmal erklären wollen warum man im Krankheitsfall eine „Entschuldigung“ in der Schule abgibt…

Man ist natürlich nicht Schuld an der Krankheit.

Ihre „Erklärung“

“ ö ä, , , ö („ ß, !“

geht da schon anfangs vollkommen am Thema vorbei, weil Eltern nicht die Krankheit des Kindes entschuldigen, sondern eben nur den Grund der Abwesenheit durch die Krankheit darlegen, es gibt dort eigentlich tatsächlich keine wirkliche Schuld oder schuldhaftes Verhalten.

Wenn Sie wegen Ihres Zeitdruckproblems allerdings Ihr Kind anschreien oder was auch immer „laut und nervig“ bedeuten soll, dann sind Sie an Ihrem Fehlverhalten tatsächlich selbst schuldig.

Sie vergleichen da also zwei Sachverhalte, die gar nicht vergleichbar sind.

Anja

Dieses ausführliche Interview mit Christiane Paul, die zur Wendezeit genau so alt war wie ich, passt ganz gut zu der Intention meines Textes … es ist ein offenherzig erzählter Rück-Blick auf die DDR, wie sie eben in einem bestimmten Alter und danach subjektiv erlebt wurde und auch die Gelegenheit, ohne Scheuklappen und falsche Scham darüber zu berichten … ich freue mich, dass sie so persönlich darüber spricht. Das ermöglicht noch mal den Zugang zu einer anderen, bisher vielleicht nicht so präsenten Ebene …

https://m.soundcloud.com/spiegel_live/wir-seit-dem-mauerfall

Anja

Es lohnt sich auch sehr, sich diesen Film anzusehen, der 1988 gedreht wurde, also noch völlig unbeeinflusst ist und nicht überlagert wird von den ab 1990 entstandenen „Nachwende-Narrativen“.

http://m.bpb.de/mediathek/264607/winter-ade

Fred Groeger

Anja Boltin: Und alle Ihre Links ändern jetzt immer noch nicht, dass Sie eine inhaltsleere Wahlempfehlung aussprechen, die Sie nicht wirklich begründen können.

Sie hätten genauso gut einfach schreiben können „Ey, wählt mal alle FDP, weil Käsekuchen!“.

Wahlempfehlungen für spezifische Parteien sind ja ohnehin schon eine ethisch schwierige Sache, aber so komplett programmatisch unbegründet, ist das noch lausiger.

Der Idealfall in unserer Demokratie wäre eigentlich, „sich politisch die Meinung zu bilden“ bevor man wählt.

Die Kolumne da oben, ist da keine Leistung der politischen Meinungsbildung.

Der Leser erfährt nicht wirklich, warum Sie die FDP wählen, der Leser erfährt aber auch nicht wirklich warum Sie ihn bitten die FDP zu wählen.

Wäre besser, wenn man sich mit den Zielen einer Partei aueinandersetzt, bevor man sie wählt.

Nicht weil jemand eine oberflächliche Kolumne mit Wahlempfehlung ohne Begründung tippt.

Anja

„Das Bürgerliche“ kann Vieles bedeuten und jede/r hat im 21. Jahrhundert etwas anderes in der eigenen Vorstellung, wenn man diesen Begriff hört. Aber historisch waren das haöbwegs fixe Kategorien.

Wer die DDR und den Rechtsruck von heute in der Tiefendimension verstehen will, kommt nicht drum herum, sich mit den Begriffen zu befassen, wie sie *innerhalb der DDR* lebendig benutzt wurden.

„Das Bürgerliche“ war ja von zwei Seiten ganz unterschiedlich unter Beschuß. Die Arbeiterschaft hat ja gern pauschal gegen „alle Reichen“ gekämpft. Aber Bürgertum und Adel haben ihre eigenen Kämpfe ausgefochten, die im Arbeiter- und Bauernstaat komplett nivelliert wurden. Sie wurden quasi „nicht-existent“ und gefroren zu einer Geste der Verachtung gegenüber „der Intelligenzia“. Darüber muss geredet werden! DESHALB halte ich *Liberalismus* im Sinne von *freien Bürgerrechten* für etwas, das sensibel DDR-spezifisch aufgearbeitet und vermittelt werden müsste. Ob das die FDP (von heute) am besten könnte, da lass ich gern mit mir streiten.

Die Neue Zeit (1/6) – Nach dem Krieg https://www.arte.tv/de/videos/079371-001-A/die-neue-zeit-1-6/

    Fred Groeger

    Frau Boltin, ich verstehe jetzt nicht, warum Sie eine Spielserie mit einer Story über Walter Gropius verlinken. (Wirklich zum damals konservativen „Bürgertum“ gehörte er nicht)

    Das was Sie da verlinkt haben, spricht leider bei ausreichenden Geschichtskenntnissen gegen „Bürgerliche Parteien“.

    Ihnen ist bekannt, dass sämtliche „Bürgerliche Parteien“ der Weimarer Republik Hitlers „Ermächtigungsgesetz“ zugestimmt haben und den Weg für die NS-Diktatur bahnten?

    Fred Groeger

    Ich meine, Frau Boltin, schön, dass Sie diese Serie gucken und verlinken, aber falls Sie die Handlung missverstanden haben, lesen sie doch mal die Episoden-Beschreibung?

    „Weimar ist nach dem verlorenen Krieg nicht nur der politische Nabel der neuen Republik, auch in der Kunst versucht man neue Wege zu beschreiten. Die alten Lehrstuhlinhaber und mit ihnen das altehrwürdige Weimarer Establishment sehen sich mit neuen und avantgardistischen Kollegen konfrontiert, die die Kunst dem nationalistischen und piefigen Milieu entreißen möchten. Unter den vielen neuen Studenten aus dem In- und Ausland ist auch die Rostocker Professorentochter Dörte Helm, die unter dem Geist des Bauhauses ihre bürgerlichen Normen abwirft und sich jeglichen Einschränkungen widersetzt. Gropius unterstützt sie dabei, der Leiter des obligatorischen Vorkurses, Johannes Itten, sieht in ihr hingegen ein zutiefst bürgerliches Mädchen, das allenfalls zu epigonalen Kopien imstande sei. Doch der asketischen Strenge Meister Ittens stehen spontane Feste gegenüber, gemeinsames Musizieren auf offener Straße und Nacktbaden in der Ilm. Die konservative Bürgerschaft ist schockiert und formiert sich zum Kampf.“

    Da geht es nicht um das Bürgertum, das mit dem Adel einen Kampf ausgefochten hat,
    sondern um „avantgardistische“ Künstler, die Probleme mit dem miefigen konservativen Bürgertum der Weimarer Zeit bekommen.

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