König im Minigolf

Hin und wieder – eigentlich gar nicht – treffe ich mich mit Freunden zum unbeschwerten sportlichen Wettbewerb im Seniorenbereich. Neulich aber doch und in aller Tatsächlichkeit. Wir waren zu sechst zur Minigolf-Runde verabredet, und ich ging, weil grundsätzlich sportlich und mit einem Rest logischen Denkvermögens versehen, als ungefährdeter Sieger hervor.

Minigolf hat nichts mit Polo zu tun, weil man zum Ausspielen weder Pferde noch Gabelstapler benötigt. Minigolf ist letztlich ein Sammelbegriff. Man sagt auch Miniaturgolf, Cobigolf, Sterngolf und Filzgolf dazu. Es ist eine sog. Präzisionssportart, die in der heutigen Form kaum mehr als siebzig Jahre alt ist.

Anno 1954 erst wurde die erste Minigolfanlage in Ascona nach Plänen des Gartenbauarchitekten Paul Bongni errichtet. Eine Erfindung eines Schweizers. Ein genormter Sport – für Amateure wie mich ein gesellschaftliches Treiben an der frischen Luft. Ein unterhaltsames Miteinander, welches achtzehn international genormte Bahnen enthält.

Rundgang der Menschen an einem sonnigen Sonnabend!

Wir bekommen ein Eimerchen, zwei Schläger (kurz und lang), zwei Bälle, einen Notizblock und einen Kugelschreiber vom Betreiberpersonal ausgehändigt. Für jede Bahn darf jede Person sechs Versuche ausführen. Kann letztlich nach sechs Versuchen nicht eingelocht werden, werden sieben Versuche angerechnet. Dies wiederholt sich achtzehn Mal. Die Person mit den wenigsten Versuchen gewinnt den Durchgang.

Um eine volle Runde zu spielen, umrundet man (wie das Wort Runde schon sagt) das bezaubernde Miniaturgelände komplett. Dann hat man achtzehn Mal versucht, mit möglichst wenigen Ballberührungen einzulochen. Für fünf Euro Benutzungsgebühr pro Nase hat man das schöne Vergnügen, von Bahnlandschaft zu Bahnlandschaft zu wandern. Dabei folgt man anderen Kleingruppen und wird von solchen auch verfolgt. Ist eine Bahn gerade nicht frei, so entsteht eine geringe Wartezeit.

Aber trotz Andrang vieler Freizeitwütiger an diesem Sonnabend geht es zügig voran. Und es zeigt sich, dass die Idee, diszipliniert die Bahnen 1–18 als Reihenfolge tunlichst einzuhalten, eine erlesene ist.

Wir sind auf Planten un Blomen im Herzen Hamburgs. Cafe Blomen wirbt mit purem Spaß und Abenteuer. Für mich kommt noch so ein herziges Gefühl dazu, wie das tiefe Eintauchen in eine Käse-Lauch-Suppe mit oder ohne Hack. Man steht zwischen den Bahnen beieinander, wie bei einem Imbisswagen mit ordentlichem Mittagstisch auf dem Wochenmarkt. Das ist besser als Kegeln und Bowling zusammen.

Fachsimpelei und sportliche Betätigung!

Winkel, Wucht und Strategie werden miteinander erörtert, bevor das Eisen auf den Ball trifft. Ein weißer Ball für siebzehn Bahnen und ein blauer für eine, bei der man in ein Netz treffen muss. Drei Personen teilen sich den längeren und drei andere geschwisterlich den kurzen Schläger.

Da ich Minigolf immer schon gerne virtuell am Rechner gespielt hatte, hatte ich auch bei meiner Premiere nach vielen Jahrzehnten so gewisse Vorstellungen. Ich begann die Runde mit zwei Assen und entwickelte dabei so etwas wie sportlichen Ehrgeiz. Das mit dem besagten sportlichen Ehrgeiz ist schon seltsam. Es geht mir eigentlich nicht darum, besser zu sein als andere. Liege ich aber auf dem letzten Platz, dann möchte ich noch Vorletzter werden. Führe ich die Runde an, so will ich mir dann doch nicht diese Führung nehmen lassen.

König im Minigolf ist relativ!

Profis werden mein Endergebnis still und souverän belächeln. Aber ich konnte einen ungefährdeten Sieg einfahren und brauchte im Schnitt 3,22 Schläge pro Bahn und insgesamt für die achtzehn Miniaturabschnitte 58 Versuche. Dabei war mein Zwischenergebnis nach neun Bahnen fast schon brillant. Ich benötigte lediglich 24 Versuche. Hätte ich das gehalten, dann hätte mein Schnitt mit 2,66 schon fast beeindruckend ausgesehen.

Es soll aber Menschen geben, die professionell lediglich einen Versuch pro Bahn oder kaum mehr brauchen. Für mein erstes physisches Miniaturgolferlebnis seit vielen Jahrzehnten bin ich aber mit einem rätselhaften Gefühl von Stolz erfüllt.

Es ist so ähnlich, als ich vor meiner Einschulung in die Erich-Kästner-Grundschule in Rellingen-Krupunder beim Dosenwerfen meiner ungelenken Konkurrenz keine Chance ließ.

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