Zu der Frage, ob man ein wirklich guter Assistent ist, gibt es einige Hinweise in den letzten vier Teilen der Kolumnenserie des langjährigen Assistenten Matthias von Schramm. Was aber letztlich eine gute Assistentin oder einen guten Assistenten ausmacht, ist nicht abschließend zu beantworten.
Als ich meine erste Assistenztätigkeit für einen Menschen mit Behinderung wahrnahm, erfuhr ich, dass ein guter Assistent vor allem handwerkliche Fähigkeiten haben muss, einen fremden Haushalt schmeißen und allgemein geschickt sein sollte. Alles Disziplinen, die mir bis dato recht fernlagen. Mein Vater war in handwerklichen Dingen so gut, dass ich mich darin nie so recht beweisen konnte. Verlor man die Geduld, attestierte ich mir selbst zwei linke Hände.
Haushalt hatte und kannte ich, aber die Feinjustierung beherrschte meine Frau immer um einiges besser. Die Frage nach der allgemeinen Geschicklichkeit beantwortet sich nach dem vorher Geschilderten von selbst.
Du bist nicht allein!
Eines aber bemerkte ich sehr schnell. Auch wenn mein erster Assistenznehmer vor seiner Erkrankung und der daraus resultierenden Behinderung handwerklich recht virtuos gewesen sein musste, waren meine KollegInnen das nicht automatisch. Trotzdem war das erste Assistententeam, in dem ich arbeitete, eine sehr geschlossene, angenehme Truppe, die vom AN sehr gemocht wurde. Der Erwartung, irgendetwas auf Millimeterpapier planen und letztlich mit bloßen Händen erschaffen zu können, wich die Erkenntnis, dass alle mit Stärken und Schwächen ein gutes Team bilden konnten. Ich merkte: „Du bist nicht allein!“
Gut möglich, dass ich in einem anderen Team erst gar nicht Fuß gefasst hätte und meine Tätigkeit als Persönlicher Assistent wegen Untauglichkeit wieder schnell aufgegeben hätte. Ein Stürmer, der kein Tor schießen kann, wäre dann so wie ein Assistent, der am IKEA-Regal und an der Logik von Hand und Fuß scheitern müsste. Aber diese erste Assistenz hielt über ein Jahrzehnt und war sozusagen der Einstieg in diese Tätigkeit, der geradezu perfekt war.
Einen guten Job machen!
Später sagte der erfahrenste meiner Kollegen mal mit zurecht breiter Brust: „Ich mache einen guten Job!“ Das bezog sich auf Nachtschichten, die er auch im angeschlagenen Zustand durchzog. Damals konnte ich dem nur entgegensetzen: „Ich muss das mit Humor und mit Freude machen!“ Eine Vorgesetzte fragte mich dann mal in diesem Zusammenhang, was ich denn machen würde, wenn die Humorebene nicht stimmen würde? Ja, und ich weiß noch, damals bin ich genau an dieser Stelle gescheitert, zumal die Partnerin einer meiner AssistenznehmerInnen mal sagte: „Dieser Job muss einfach Spaß machen!“
Natürlich ist das mit dem Spaß nicht durchgehend über Jahrzehnte möglich, und letztendlich darf man ja dabei auch nicht Aufgabe oder Rolle vergessen. Die Einnahme der angemessenen Rolle als persönliche Assistenzperson ist nicht jedermanns Sache. Es kann nicht jeder sichtbar und zugleich unsichtbar sein. Es kann nicht jeder im richtigen Moment präsent und im falschen Moment weg sein. Wenn Menschen sich nicht ausreichend mögen, dann ist das ohnehin mit der guten Assistenz schwierig.
Ich bin eine Person, die unter militärischem Tonfall und respektlosem Drillanspruch nie gut funktioniert hätte und auch nicht hat. Ich wäre als Lehrling in althergebrachten Restaurantküchen krachend gescheitert. Auch solche Situationen habe ich natürlich erlebt, bezogen auf die persönliche Assistenz. Und dabei muss ich klar betonen: Es kam ein entsprechender Impuls eines solchen Umgangs auch durch KollegInnen unseren KundInnen gegenüber.
Es muss passen!
Es gibt eigentlich keine Antwort darauf, ob man von sich wirklich sagen kann, ob man ein guter Assistent ist. Es gibt aber eine Antwort darauf, ob zwei Menschen miteinander arbeiten wollen. Und erfahrene AssistenznehmerInnen setzten ihre AssistentInnen, wenn es geht, immer nach Stärken und Schwächen ein. So war nicht ich es, der im Wohnzimmer meiner AN einen gewaltigen Plasma-Bildschirm an die Wand brachte. Aber ich schaute mit meiner AN auf diesem TV gemeinsam die beeindruckende Doku „Crip Camp“, und wir analysierten das Gesehene gemeinsam.
Fazit!
In der Persönlichen Assistenz erlebt man also ungewöhnliche Dinge auf Hochzeiten und Messen und anderswo.
Man hilft dort, wo es notwendig ist, und wo es nicht passt, lässt man es bleiben.
Persönliche Assistenz wurde von Menschen erkämpft – sie fiel nicht einfach vom Himmel und ist ein hohes Gut.
Zwischen AssistenznehmerIn und AssistentInnen ist keine Freundschaft per se vorgesehen, aber durch die gemeinsame Geschichte und erlebte Geschichten nicht ausgeschlossen.
Assistenz ist mit dafür zu sorgen, dass Menschen mit Behinderung ihr eigenes Zuhause haben, bestenfalls einem Job nachgehen können und in ihrer Freizeit entsprechende Unterstützung bekommen.
Ja, und manchmal macht man dann mit dem, was man da macht, auch einen eher ganz guten Job.
* Ich habe ChatGBT um folgendes gebeten: Kannst Du mir eine Bleistiftzeichnung machen? Eine Frau im E-Rollstuhl. Daneben ein Fußgänger. Ein Mann um die 60 mit langen grauen Haaren und Bart, der eine Einkaufstasche trägt. Auf der Tasche steht: Assistenztasche.
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