Zeitzeugen berichten davon, dass der Fanclub der 1. Frauen des FC St. Pauli am 20. August anno 2016 gegründet worden ist. Somit ist mein Fanclub mit dem heutigen Tage zehn Jahre alt. Diesem bemerkenswerten Umstand gilt es, eine Kolumne zu widmen.
Es ist kaum zu glauben. Nun existieren „Die üblichen Verdächtigen“ schon ein ganzes Jahrzehnt. Ein in dieser schnelllebigen Fußballzeit beachtlicher Halbwert. Der Fanclub, kurz DÜV genannt, dessen Exzess im Besuch verschiedener griechischer Lokalitäten endet. Ein Ultra-Konglomerat ohne Ultra-Beweglichkeit. Geschuldet dem Individualalter der Mitglieder. Eine Gemeinschaft zum besseren Support des Fußballs, der von Frauen gespielt wird. So wird Tradition geschaffen.
Zuvor vermisste man im Fantum für den Frauenfußball die entsprechende Historie. Gegenbeispiele blieben vereinzelt und konnten diese Tatsache nicht widerlegen. Also machten sich 2016 Menschen auf, um ihr Team in der Regionalliga Nord entsprechend zu supporten. Ich selbst bin seit dem 1. Dezember 2017 Mitglied und zahle sehr gerne jährlich mittlerweile 3,50 Kies Zwangsabgabe, damit DÜV auf der entsprechenden offiziellen Fanclubliste des Vereins erscheint. Unsere Truppe entwickelte sich aus verschiedenen handwerklichen Vorzügen der Mitglieder, Beteiligten und Betroffenen.
Historisch betrachtet gibt es für die 1. Frauen des FCSP den Urfanclub. „Ey, die Hunde“, der sich nach einem Song der Punkband „Mühlheim Asozial“ so benannte. Auch diesen Fanclub gibt es noch. Er verstand sich von Beginn an als Anhängerschaft der gesamten Fußballabteilung der Frauen des FC St. Pauli. Mittlerweile ist die eine oder andere kleine Gruppierung dazugekommen, welche ebenfalls liebevoll und engagiert unsere Frauen unterstützt.
Vom „Spinner“ bis zum „Frontlader“!
Die besagten handwerklichen Vorzüge machen aber vor allem DÜV aus. Ich fotografierte und schrieb gerne. Also generierte ich zum Berichterstatter der Geschehnisse im Spiel und um die Spiele herum. Andere besaßen Nähmaschinen und konnten übergroße Fahnen herstellen. Wiederum gab es Leute, die in Schönschrift Tapeten bemalen konnten. Auch waren Menschen mit einem herausragenden Organ gesegnet und konnten als Vorsingende dienen. Zudem war es immer sehr vorteilhaft, dass Menschen mit einem besseren Orientierungssinn die Reiseleitung übernahmen.
Aus der gesamten Fanszene unseres Vereins kamen Leute zu uns, vornehmlich aus der Nord-, Süd- und Gegengerade. Vom „Spinner“ bis zum „Frontlader“ war stets alles dabei.
Auswärtsabenteuer und FeldArena-Feeling!
Fast ausschließlich unternahmen wir die Auswärtsfahrten in der Regionalliga Nord mit der in unseren Fällen insgesamt erstaunlich gut funktionierenden Deutschen Bahn. Dabei kam die eine oder andere Anekdote zustande. Nach einer Auswärtsfahrt nach Celle begegneten wir einem Bahnbeamten, der unseren Konsum von Erfrischungsgetränken in Verbotszonen kritisierte und einer Handvoll Fans des Frauenfußballs übereifrig mit dem Einsatz von Ordnungskräften drohte.
Es gab aber auch Busfahrten, sogar im Bus des Teams selbst. Dort erlebten wir z. B. in Osnabrück eine popelige polizeiliche Begleitung, weil zeitgleich unsere Profis in selbiger Stadt ein Auswärtsspiel hatten. An einem anderen Tag genossen Beamte in voller Montur auf Hügeln um den Spielort die Begegnung unserer Frauen versus Burg Gretesch, was unsere Laune selbstverständlich erheblich anhob.
Manchmal mussten wir dann doch ein Fahrzeug mieten, um an etwas entlegene Spielorte zu gelangen. In letzter Zeit habe ich aus persönlichen Gründen die Teilnahme an Auswärtsfahrten sehr vermindert, da ich, wie vielfach nachzulesen, die Berichterstattung einstellen musste. Aber auf der FeldArena zwischen begrüntem Medienbunker und Nord des Millerntor-Stadions kommt am Spielfeldrand für mich immer noch das gute alte Bratwurst-Bier-Feeling auf. Ein echtes Wir-Gefühl in einer liebenswerten Parallelwelt.
Hin und wieder spielt unser Team auch auf Ausweichplätzen, auf denen Gespräche über die berühmte Architektur der Stadt geführt werden. Das Geomatikum zu Hamburg z. B. ist vom Platz des SC Sternschanze in beeindruckender Pracht zu erkennen. Kaum einer kennt jedoch dieses wunderbare Profangebäude.
Zehn Jahre DÜV!
Zehn Jahre existiert diese Gruppe schon. Und das ist wahrlich ein Grund zum Feiern. Und das werden wir heute zelebrieren.
Wieder werden in einem unserer Stammlokale mehr „Kurze“ als Konsumenten von diesem Gesöff gereicht. Das ist eine erfreuliche Aussicht. Und es ist gut möglich, dass Leute Bauernfrühstück bestellen, welches früher Bauernomelette hieß. Vielleicht wird es der eine mit und der andere ohne Schinken bevorzugen.
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